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Hecht-galinski Aktion „gegossenes Blei, Aktion vergossenes Blut“
Bis zum bitteren Ende - Massaker in Gaza


Evelyn Hecht-Galinski
Rathaussaal Pfaffenhofen / Ilm
Samstag, 10. Januar, 20Uhr
Eintritt 6,00 EUR

Wichtiger Hinweis! Da der Text des Redemanuskriptes vom Text des Vortrages abweichen kann, gilt ausschließlich das gesprochene Wort.

Es ist mir ein besonderes Bedürfnis dem Ruf Herrn Duschners vom Verein Freundscnaft mit Valjevo gefolgt zu sein. Als deutsche Bürgerin und unabhängige jüdische Stimme stehe ich hier in Solidarität mit den in Gaza lebenden Menschen. Wie sagte John F. Kennedy in Berlin:
„Ich bin ein Berliner“. Ich sage in Pfaffenhofen: „Ich bin eine Palästinenserin“.

Die Palästinenser leiden unter einem unvorstellbaren Staatsterror, der von Israel ausgeht. Israel als eine der größten Militärkräfte der Welt, eine Nuklearmacht, behauptet in Selbstverteidigung handeln zu müssen. Diese falsche These wird auch vehement von unserer Bundeskanzlerin, unserem Außenminister sowie dem außenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Ekkehard von Klaeden vertreten, mit der behauptet wird, dass Hamas die Waffenruhe gebrochen habe. Gerade von einem akademisch gebildeten Bundestagsabgeordneten, Mitglied einer Partei, die das C für christlich in ihrem Namen führt, erwarte ich, dass er sich an Fakten hält und nicht säkulare Wähler, die die Hamas mehrheitlich demokratisch gewählt haben, als Islamisten verunglimpft und propagandistisch einfach die Erklärungen der israelischen Regierung übernimmt. Hat nicht auch der christliche Bürgermeister Bethlehems, die Hamas gewählt?
Der Menschenrechtsbeauftragte des Vatikans, Kurienkardinal Martino hat den Gazastreifen mit einem Konzentrationslager verglichen. Zitat: „Schauen wir uns die Lebensbedingungen einmal an: Das ähnelt immer mehr einem riesigen Konzentrationslager.“ Außerdem verurteilte er den Egoismus auf beiden Seiten und den Mangel an „Gespür für die Menschenwürde“ als Hauptursache für den Konflikt in Nahost. Sofort kritisierte ein Sprecher des israelischen Verteidigungsministeriums die Äußerungen als Hamas - Propaganda. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wies die Äußerungen Kardinal Martinos als infam zurück.
In dasselbe Raster der Verunglimpfungen passt auch die Gehirnwäsche, die uns täglich in den deutschen Medien vorgesetzt wird: „radikal-islamische Hamas“, wo es überall, sogar in Israel, Hamas heißt. „Militante Palästinenser“ werden getötet, Israelis werden natürlich ermordet; zivile Opfer sind Kollateralschäden, der Palästinakonflikt ist der Nahostkonflikt usw. usw. Die Aktion „gegossenes Blei“ ist auch keine Aktion - es ist ein mörderischer Angriffskrieg im dichtest besiedelten Gebiet der Welt, vergleichbar mit der Größe des Bundeslandes Bremen. Dieser Krieg wurde schon minutiös Monate zuvor vorbereitet. Es gibt keine sich gegenüber stehenden Heere. Es gibt einen Besatzer und es gibt eine besetzte Bevölkerung. Das Ausmaß der humanitären und menschlichen Katastrophe ist unvorstellbar und wächst von Tag zu Tag.

Ich stimme Bundeskanzlerin Merkel zu, Ursache und Wirkung nicht zu verwechseln: Ursache ist die vollständige Blockade seit über anderthalb Jahren, die Wirkung sind Kassam - Raketen als verzweifelte Reaktion. Momentan sind es über 760 Tote und mehr als 3200 Verletzte - Tendenz steigend. Die unter den Trümmern Verschütteten sind dabei nicht mitgerechnet. Sie sind ebenfalls ermordet von der israelischen Verteidigungsarmee. Dagegen sind nach dem dauerndem Beschuß der Kassam - Raketen durch die Hamas 4 Tote auf der israelischen Seite zu beklagen. Selbstverständlich ist auch der Tod von israelischen Zivilisten zu bedauern und durch nichts zu rechtfertigen.
Weder Frau Merkel noch ich haben das moralische Recht, Leute, die nicht einmal minimale Menschenrechte genießen, zu kritisieren. Somit ist der palästinensische gewaltsame Widerstand leider eine Folge der israelischen Besatzung. Das müssten gerade auch Juden und Israelis wissen. Bereits lange vor der Staatsgründung und während der Gründung Israels waren jüdische Terrororganisationen die grausamsten überhaupt, besonders gegen Zivilisten. Es waren jüdische Untergrundkämpfer, die den Terror gegen Zivilpersonen nach Palästina brachten. Ebenso handelte die gerade gegründete Armee, die im Jahr 1948 die Menschen ins Meer warf, wobei viele der Flüchtenden ertranken. Der Rest flüchtete unter anderem nach Gaza und in andere Gebiete. Dies alles ist gut nachzulesen und durch Fotografien dokumentiert im Buch des israelischen Historikers Ilan Pappe, „Die Ethnische Säuberung Palästinas“. Übrigens sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung Kinder und Jugendliche. Sie brauchen unsere moralische und aktive Unterstützung, damit sie ihre Freiheit wieder erlangen, die sie zum größten Teil nie kennenlernen durften, da sie außer Besatzung nichts kennen. Wir können nur von freien Menschen verlangen, dass sie sich an ethische Maßstäbe halten sollen. Außerdem finde ich es empörend, wenn die Bundeskanzlerin ihre Neujahrsansprache an die Bevölkerung dazu missbraucht, die Entwicklung in der Region eindeutig und ausschließlich der Hamas zuzuschreiben und lsrael bedingungslos zu unterstützen. Diese uneingeschränkte und bedingungslose Solidarität mit Israel erklärt sie auf diese Weise zur Staatsräson für die Bundesrepublik. Dies widerspricht unserem Grundgesetz und unserer Werteordnung, die dadurch mit Füßen getreten werden.
Es war die israelische Armee, die am 4. November 2008 mit einem Angriff die Waffenruhe brach, um einen Tunnel zu sprengen. Wobei 6 Palästinenser ermordet wurden. Diese Nacht scheint mir mit Bedacht ausgesucht, da es die Nacht der US-Präsidentschaftswahlen war. In den darauf folgenden Tagen werden nochmals 8 Palästinenser ermordet. Am 27. Dezember beginnt Israel, obwohl das Ultimatum erst am 28. Dezember abgelaufen wäre, mit der Operation „gegossenes Blei“. Wer also brach die Waffenruhe? ISRAEL verletzte sie mehrmals. Diese Tatsache ist unbestritten und belegt, wird aber von den „Regierenden“ bewusst falsch dargestellt.
Bot nicht der Regierungschef der Hamas, Ismail Haniye, am 16. Dezember Verhandlungen über die Bedingungen für die Neuvereinbarung eines Waffenstillstandes an? Bedingung: den Gazastreifen endlich wieder zu öffnen. Dieses Angebot wurde von der Regierung Israels, aber auch von den Mitgliedern des Nahostquartetts ignoriert. Auch die bedingungslose Verlängerung der Waffenruhe wäre nutzlos gewesen. Denn in Jerusalem schwieg man dazu und wollte wegen der anstehenden Knessetwahl mit der militärischen auch in die politische Offensive gehen. Israel hat diesen Angriff seit Monaten geplant und provoziert.
Die einseitige Sicht der Bundeskanzlerin legitimiert letztlich den Bombenhagel auf Gaza und bestärkt das israelische Militär und die israelische Regierung, weiterhin Kriegsverbrechen und Staatsterror gegenüber der Zivilbevölkerung des Gazastreifens auszuüben. Die Israelische Bevölkerung, die stündlich über die wohlbehaltene Rückkehr der F-16 Bomber informiert wird, wird dabei bei Laune gehalten. Welche Kassam - Raketen könnten diese Kampfjets auch abschießen? 85% der israelischen Bevölkerung bejahen diesen Angriffskrieg. Die palästinensische Bevölkerung wird traumatisiert durch die andauernde Blockade, andauernde Strangulierung, andauernde Abriegelung, absolute Trostlosigkeit, Dahinvegetieren, hohe Arbeitslosigkeit ohne jede Perspektive, tägliche Drohnenüberwachung mit diesem unerträglichen Geräusch, das die Eingeschlossenen zermürbt. Auch die Bundeskanzlerin müsste wissen, dass Israel gegen die IV. Genfer Konvention verstößt, die besagt, dass eine Besatzungsmacht Fürsorgepflichten für die von ihr besetzten Gebiete und die dort lebende Bevölkerung hat. Und das gilt für Gaza, solange es keinen souveränen Palästinenserstaat gibt und Israel die volle Kontrolle ausübt. Deutschland hat die IV. Genfer Konvention unterzeichnet und kann sich nicht einfach hinter Israel stellen, wenn es so handelt wie jetzt. Frau Merkel erweist Israel einen schlechten Dienst, mit dieser Unterstützung. Sie sollte eher sagen, Israel muss auch mit der Hamas verhandeln. Hamas-Führer Chalid Maschal hat klar gesagt, wenn das palästinensische Volk die Zwei-Staaten-Lösung akzeptiert, wird Hamas sie auch akzeptieren. Und beachten wir die Erklärung der Gefangenen, die im Juni 2006 von palästinensischen Politikern in israelischen Gefängnissen geschrieben wurde. Darin ist auch von zwei Staaten die Rede. Keiner hat dem widersprochen, auch Hamas nicht. Dies kam einer Anerkennung Israels gleich.
Hatte denn nicht die PLO einmal eine Charta, in der die Existenz des Staates Israel ausdrücklich nicht anerkannt wurde? Trotzdem hat man mit der PLO und Arafat verhandelt und die Oslo-Verträge abgeschlossen. Warum verfährt man mit Hamas nicht genauso? Stattdessen ermordet die israelische Luftwaffe den Hamas-Politiker Nisar Rian mit seinen Frauen und seinen acht Kindern. Die ganze Welt nimmt das als normal hin. Aber das war M o r d und sollte auch so genannt werden. Wer spricht in der Welt noch von den willkürlich verhafteten Hamas Kabinettsmitgliedern und den über 11.000 Gefangenen in israelischen Gefängnissen, darunter auch viele Frauen und Jugendliche? Zum großen Teil ohne Anklage, Verteidigung und Gerichtsverhandlungen.
Der Staat Israel sollte nicht mit Verbesserungen eines Partnerschaftsabkommens mit der EU belohnt werden, sondern es sollten Druck und Sanktionen auferlegt werden, inklusive individuelle und kollektiven Boykott-Aktionen, um im Zusammenhang mit politischen Kampagnen zivile Proteste in Europa zu intensivieren. Das sind die einzigen verbliebenen Optionen, um die Regierenden Israels für ihre permanenten Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen und sie zu zwingen internationale Gesetze einzuhalten. Andere Möglichkeiten gibt es nicht. Bis Besetzung und Siedlungsbau aufhören, d.h. alle Siedlungen aufgelöst sind und Israel der Hamas etwas Annehmbares anbietet, nämlich die Aufhebung der Blockade und die Bewegungsfreiheit der Palästinenser. Ich sehe diesen Druck leider nicht unter der tschechischen EU-Präsidentschaft, vertreten durch Außenminister Schwarzenberg, der sofort einseitig für Israel Partei nahm und sich dadurch ebenso wenig als unabhängiger Vermittler eignet wie Deutschland und die USA.
Wollte nicht noch Premier Olmert seinen vorzeitigen Abgang noch kurz vor dem Angriffskrieg mit folgenden Original-Zitaten vergolden: Er habe 35 Jahre geirrt. Auf einmal wollte er den Palästinensern alle besetzten Gebiete zurückgeben, sogar die aus Ost-Jerusalem, auch wenn in seiner Regierungszeit mehr gesiedelt wurde denn je. Auch mit Syrien wollte er über die Rückgabe der Golanhöhen verhandeln So viel zur Glaubwürdigkeit der israelischen Politiker.
Nach den schrecklichen israelischen Angriffen. u.a. auch auf die UN-Schulen, wo hunderte von Flüchtlingen von den Hilfsorganisationen untergebracht worden waren und über 40 unschuldige Opfer starben. Nachdem ein UN-Konvoi von der israelischen Armee beschossen worden war und dabei zwei Menschen getötet wurden, stellte das Hilfswerk der Vereinten Nationen die Hilfstransporte für die Palästinenser ein. Ein Sprecher sagte, die Lastwagen seien mit UN-Flaggen gekennzeichnet und der Konvoi mit dem Militär abgesprochen gewesen. Jetzt, als die israelischen Palästinenser ihre Solidarität mit den Bewohnern von Gaza zeigten, wurden sie als fünfte Kolonne im Staat gebrandmarkt und man hätte sie am liebsten transferiert. Die fehlgeleitete europäische und amerikanische Politik ist schuld an den Bomben auf Gaza und an den Raketen auf Israel und hat damit Israel die Blockade des Gazastreifens und diesen Angriffskrieg erst ermöglicht.
Israel hat den Gazastreifen zwar angeblich geräumt, ist aber laut internationalem Recht immer noch für Leben und Wohl der Menschen in Gaza verantwortlich, die schutzlos in einem Freiluftgefängnis eingeschlossen sind, umgeben von Checkpoints und Mauern, aus denen es kein Entrinnen gibt. Die Eingeschlossenen sind abhängig von der Erlaubnis Israels, ob Wasser, Elektrizität, Treibstoffe, Medikamente und Lebensmittel in dieses Ghetto Gaza hineingelassen werden.
Ich vermisse auch die Verantwortung des deutschen Außenministeriums für die deutsche Anke Abu Sitta. Sie leitet das Verbindungsbüro des Auswärtigen Amtes in Gaza. Als sie ausgebombt wurde, mit ihrem Ehemann und ihrer alten Schwiegermutter nur knapp den Bomben entkam, hätte ich eine Protestnote des Außenministeriums erwartet, wie es nach allen diplomatischen Gepflogenheiten mit anderen Staaten üblich wäre. Oder handelt es sich hier etwa um eine verkappte Hamaskämpferin? Da zeigt sich wieder unsere besondere Beziehung zu Israel. Israel unterläuft auch das Gerichtsurteil des Obersten Gerichts, das den ausländischen Journalisten in Israel nach einer Klage das Recht zugestanden hat, aus dem Gazastreifen zu berichten. Warum handelt Israel so, wenn es nichts zu verbergen gibt und alles sauber abläuft.
Mit dem Wort Selbstverteidigung verhöhnt Israel nicht nur die Weltgemeinschaft sondern auch die eigene Bevölkerung, um die andauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu rechtfertigen - gerade jetzt im Wahlkampf - einer der übelsten Wahlkämpfe seit langem. Ablenkungsmanöver eines unter Korruptionsverdacht stehenden Politikers, einer ehemaligen juristischen Beraterin für „Killings“ des Mossad im Ausland, die für den Wahlsieg alle männlichen Kontrahenten rechts überholen will und jetzt ihr wahres Gesicht zeigt, außerdem militante Siedlerpolitiker, die sogar laut Noch-Premier Olmert, Pogrome in Hebron veranstalten und andere fanatische Splitterparteien, die alle eigene Interessen vertreten und nur in einem vereint sind - im Hass gegenüber Palästinensern und Arabern und sich an deren Leid ergötzen. Ähnlich sind die zynischen Sätze von Staatspräsident Peres nach der Ermordung von Kindern im Gazastreifen durch die israelische Armee zu sehen. Das seien alles die toten Kinder der Hamas, weil Israel für seine Kinder sorge. Ebenso sieht er in diesem Krieg beide Seiten als gleichwertig an.
Diese Unmenschlichkeit und dieser Staatsterror wird unter den Augen der Weltöffentlichkeit ausgeführt von einem Staat, der sich als einzige Demokratie im Nahen Osten bezeichnet, von einem Staat, der die Deklaration der Menschenrechte ignoriert. Israel wurde von den Vereinten Nationen gegründet und hat seitdem alle UNO-Resolutionen ignoriert. Unter anderem die Resolution 242 von 1967, die den Abzug aus allen besetzten Gebieten vorsah. Gestern Nacht beschloss der UNO Sicherheitsrat einen bindenden Beschluss, die Kriegshandlungen unverzüglich einzustellen und die israelischen Truppen sofort aus dem Gazastreifen abzuziehen. 14 Staaten stimmten dem zu, nur die USA als Israels Schutzmacht enthielten sich der Stimme. Die lakonische Antwort auf diesen Beschluss: „Nur unsere Sicherheit zählt, nichts auf dem Papier“. Damit war der Beschluss durch Israel abgelehnt. Auch die Hamas zog nach und lehnte den Beschluss ab, weil sie Verhandlungen mit der UNO verlangt.
Sollte der Staat Israel überhaupt noch einen Platz in der UNO haben? Ich sage N E I N. Der jüdische Staat handelt nur so arrogant, weil er sich der uneingeschränkten Unterstützung der Supermacht USA sicher sein kann. Auch der kommende Präsident Obama hält sich sehr bedeckt und betont immer wieder, daß Bush der noch amtierende Präsident sei. Klang das bei der Bewältigung der Finanzkrise und den finanziellen Hilfen für die amerikanische Autoindustrie doch ganz anders. Da gab er sofort Statements als kommender Präsident ab. Damit haben die Hoffnungen der Obama-Euphorie einen Dämpfer bekommen. Nach den letzten Bush-Ausläufen wenig Neues von Obama. Ist das der erhoffte Change „Yes, we can“. No, he will not. Business as usual.
Ich verabscheue den Rassismus der israelischen Gesellschaft, der seit Anbeginn herrscht. Die Gründung des Staates Israel erfolgte durch ethnische Säuberung und Terror, die in Ilan Pappes Buch eindringlich beschrieben werden. Seitdem werden diese gewalttätigen Kriege und Aktionen gegen die Palästinenser, die unter der Okkupation leben, fortgesetzt mit der Begründung, keinen Friedenspartner zu finden. Deshalb nimmt man die erneuten gezielten Tötungen der Hamasführer mit ihren Familienangehörigen, Frauen, Kinder und Kindeskindern billigend hin, ohne dass die Öffentlichkeit dagegen protestiert. Was macht Israel, wenn es keinen Feind mehr hat? Wie sagt Avram Burg, der ehemalige Parlamentssprecher Israels: Gebt uns Krieg, gebt uns Pogrome. Gebt uns Katastrophen, und wir wissen was wir zu tun haben. Gebt uns Frieden und Ruhe und wir sind verloren. Entlädt sich diese zerstörerische Politik deswegen im Gazastreifen mit ihrer schäumenden Wut? Da Israel ständig die neuen Waffen testen muss, die es von den USA bekommt, dürften bei diesem Krieg auch wieder die umstrittenen Granaten mit weißem Phosphor eingesetzt werden, wie schon im Libanonkrieg 2006, laut lnternetausgabe der Times. Ich hoffe, dass der Einsatz dieser Waffe im dicht besiedelten Gazastreifen neue Kontroversen über diesen israelischen Krieg auslöst und nicht ungesühnt bleibt. Wir sollten auch nicht die Streubomben vergessen, die Israel noch nach dem Waffenstillstandsabkommen mit dem Libanon 2006 abwarf und deren Folgen wir alle heute noch zu tragen haben - auch finanziell. Es wird ja jetzt schon wieder von Israel darauf spekuliert, dass der Wiederaufbau der Schäden im Gazastreifen, den Israel um Jahrzehnte zurückbombte, hauptsächlich von uns wieder klaglos bezahlt wird. Und ich frage daher: Wo bleibt das Verursacherprinzip?

Diese brutalen Besatzer und Kriegsverbrecher einer angeblich demokratischen Regierung, eines jüdischen Staates, gehören vor das Haager Kriegstribunal. Israel will alles - nur keinen Frieden und will den Palästinensern auch keinen lebensfähigen Staat anbieten sondern nur einen Flickenteppich von Enklaven, getrennt von großen Siedlungsblöcken und einer unmenschlichen Trennmauer, die sich durch palästinensische Gebiete zieht. Israel will weder die Jerusalemfrage klären, noch über die Rückkehr der Flüchtlinge verhandeln. Wir Unterstützer der europäischen Juden für einen gerechten Frieden in Nahost haben freiwillig auf unser Rückkehrrecht nach Israel verzichtet, das alle Juden in der Welt berechtigt, nach Israel zurückzukehren. Bis Israel alle Siedlungen auflöst und sich auf die Grenzen von 1967 zurückzieht, sehe ich keine Möglichkeiten für einen Palästinenserstaat. Die Konsequenz wäre ein wirklich demokratischer Staat, wo ein gleichberechtigtes Zusammenleben auf gleicher Augenhöhe von allen Religionen und Ethnien möglich ist - nicht wie heute eine theokratische Ethnokratie, eine Demokratie nur für jüdische Bürgerinnen. Ich vermisse die Solidarität der evangelischen und katholischen Amtskirchen in Deutschland mit den Palästinensern. Mein Aufschrei über diese Schandtaten soll alle demokratischen deutschen Bürger und Bürgerinnen - unabhängig von Parteien, Glaubensrichtungen und Weltanschauungen - wachrütteln und zum Protest gegen dieses Unrecht ermutigen - und das nicht nur heute. Wie sagte Tom Segev, der israelischen Schriftsteller und Historiker: Sämtliche Strategien zur Bekämpfung des palästinensischen Terrors haben sich als Fehlschlag erwiesen. Israel wolle den Palästinensern „Eine Lektion erteilen“, Israel begreife sich als das „erleuchtete Volk“, während Araber „primitiv“ seien und nur die Behandlung nach der Devise „Zuckerbrot und Peitsche“ verstünden. Immer wieder sei zudem Israel bei dem Versuch gescheitert, den Palästinensern eine Israel genehme Regierung aufzuzwingen. Auch würden die „guten Palästinenser“ nicht gegen die „bösen Palästinenser“ der Hamas aufbegehren, sondern ihren Haß auf Israel und dessen Armee richten. Segev kritisiert auch die israelischen Medien, die einseitig berichteten und mit ihren Schlagzeilen zu Beginn des Krieges „eine halbe Million Israelis unter Feuer“ ein nur halb wahres Bild zeichneten. Das wurde in deutschen Zeitungen noch gesteigert, indem die Bild-Zeitung von über einer Million Menschen unter Feuer berichtete. Glücklicherweise gibt es noch Medien, in denen man sich noch glaubwürdig informieren kann. Gestern Morgen riegelte Israel wieder einmal das Westjordanland zunächst bis heute Abend ab. Das scheint die dritte Phase der Bodenoffensive zu sein, nämlich den Häuserkampf einzuleiten. Gegossenes Blei, vergossenes Blut, bis zum bitteren Ende mit dem Trio lnfernale des israelischen Kabinetts. Israels Kabinett, der Kriegsgewinnler. Die Steigerung dieses Satzes kam von Kriegsminister Ehud Barak, der einen „totalen Krieg bis zum bitteren Ende“ führen will. Solche uns bekannten Ausdrücke lassen mich erschaudern. Wenn Israel massiv, wie seit gestern, die meisten Tunnel zerstört, um den Waffenschmuggel zu unterbinden, so unterbindet es damit auch die Versorgungswege für Lebensmittel und andere Waren, ja sogar für lebende Tiere. Deshalb müssten zugleich die Grenzübergänge geöffnet werden, um die Versorgung der verhungernden Bevölkerung sicherzustellen. Ich möchte aus einem Leserbrief in der FAZ von gestern, geschrieben von meinem Freund und großen Humanisten Prof. Alfred Grosser zitieren: Wenn die israelische Außenministerin nun erklärt, es gäbe heute in Gaza kein humanitäres Problem, so möchte man aufschreien, vor allem, wenn man die Lage nach den Bombardierungen und anderen Zerstörungen der letzten Tage in Betracht zieht. Seit Jahrzehnten erklären die jüdischen und christlichen Gelehrten, dass der Ausdruck „Auge für Auge, Zahn für Zahn“ nicht eine Aufforderung zur Rache darstellte, sondern eine Mahnung, mit der Rache nicht zu weit zu gehen. Aber nun soll es als gerechtfertigt gelten, wenn es heißt „für einen Zahn hundertfünfzig volle Gebisse“. Wie viele Tote und Verstümmelte in Gaza. Es werde nur gezielt geschossen: Wer kann das glauben, wenn er im Fernsehen die Streuung der Bomben gesehen hat, die von den Flugzeugen abgeworfen werden. Am schlimmsten sind die politischen Konsequenzen. Die amerikanische bedingungslose Unterstützung, die Art und Weise, wie Nicolas Sarkozy alle Schuld der Hamas zuschreibt, die Verachtung, die Israel seit Jahren den Arabern von Gaza entgegen bringt, alles schürt den Hass von Abermillionen von Arabern und nichtarabischen Muslimen, auch in der Türkei, auch in Asien, gegen den Westen. Als wolle man den falschen Thesen des jüngst verstorbenen Samuel Huntington recht geben und einen Kampf der Zivilisationen heraufbeschwören, mit allen Konsequenzen, die es auch in Frankreich und Deutschland bei unseren muslimischen Mitbürgern geben könnte.“ Zitat Ende. Im Moment - beim Schreiben dieser Rede - prangert die UNO die Tötung von 30 schutzsuchenden Zivilisten an. Die Armee soll in Gaza ein Gebäude bombardiert haben, in dem sie vorher den ca. 110 Palästinenser befohlen hat, im Gebäude zu bleiben. 24 Stunden später bombardierten die israelischen Streitkräfte dieses Haus mehrmals. Ein anderer Vorfall im Stadtteil Seitun hatte bereits am Donnerstag für Schlagzeilen gesorgt. Das IKRK hatte berichtet, dass Kinder in Seitun tagelang neben ihren toten Müttern ausharren mussten, weil die Helfer nicht zu ihnen vorgelassen wurden. In dem neuen Bericht wird geschildert, dass die Zeit zum Evakuieren der beschossenen Häuser selbst dann nicht reichte, als während der Waffenruhe endlich die Blockade aufgehoben wurde. Gestern wurden nochmals 25 Palästinenser getötet. Man kommt nicht mehr nach, die Toten aufzuzählen, geschweige denn die Verletzten. Wer noch immer nicht den Unterschied zwischen Antisemitismus, Antizionismus und lsraelkritik begriffen hat, wird zwangsläufig miteinander vermengen, was man auseinander halten sollte. Echter Antisemitismus, den es ja leider immer noch gibt, wird damit verharmlost. Hier möchte ich noch etwas ganz Persönliches vorbringen: Zu meinen Anklagen treibt mich kein Haß, auch kein jüdischer Selbsthaß, sondern einzig Gerechtigkeitssinn, den es doch gerade auch unter Juden geben sollte, die zum Teil Schreckliches und so viel Diskriminierung durchgemacht haben. Ich lasse mich gerne als einseitig und parteiisch bezeichnen. Es geht nicht um einseitig oder parteiisch, sondern um Recht und Unrecht. Machen wir uns nicht wieder schuldig durch Schweigen und Verdrängen angesichts schwerer Menschenrechtsverletzungen. Angesichts unserer gemeinsamen Vergangenheit ist mein Wunsch für die Zukunft für einen gerechten Frieden zu streiten. Auch wenn ich als Realistin glaube, dass ich einen gerechten Frieden in Palästina nicht mehr erleben werde. Genug der Manipulation. Juden und Nichtjuden, sagen wir: Nicht in unserem Namen.