Archiv nach Schlagworten: Afghanistan

Ayaz geht es nach der Operation gut

Mutter und Kind bleiben noch einige Monate

IMG-20140511-WA0010Seine Operation im Hessischen Herzkinderzentrum ist geglückt, Ayaz geht es gut. Er bekommt jetzt deutlich mehr Sauerstoff und ist ein sehr aktives, lebenslustiges Kind. Seine Familie ist darüber glücklich. Trotzdem wird der Junge aus dem syrischen Hasaka seinen 2. Geburtstag am 21. August in Pfaffenhofen feiern müssen: Die Komplexität seines Herzfehlers erfordert noch für einige Monate regelmäßige Nachkontrollen in Gießen, wo die Operation durchgeführt wurde.

Die Eltern von Ayaz waren verzweifelt, als sie sich im Herbst über Verwandte in Pfaffenhofen an unseren Verein „Freundschaft mit Valjevo“ um Hilfe wandten: seit seiner Geburt leidet ihr Junge an einem schweren Herzfehler. Eine Operation war dringend erforderlich, aber in Syrien aufgrund des aktuellen Bürgerkrieges nicht möglich. Die meisten Ärzte haben das Land verlassen, viele Krankenhäuser sind zerstört, Medikamente sind dort kaum mehr zu bekommen. In wenigen Wochen konnte der Verein die notwendigen  25.000 EUR dank Hunderter Spenden aus der Pfaffenhofener Bevölkerung im Frühjahr sammeln und Ayaz mit seiner Mutter kommen lassen. Die ursprüngliche Diagnose musste korrigiert werden. Wie sich in Gießen zeigte, leidet Ayaz an einer angeborenen „korrigierten Transposition der großen Arterien“: seine Hauptschlagader und Lungenschlagader, aber auch die Verbindungen zwischenphoto1 den Vorhöfen und den Hauptkammern sind vertauscht. Zusätzlich besteht ein Defekt in der Kammerscheidewand. Prinzipiell fließt das Blut durch diese doppelte Vertauschung in die „richtige“ Richtung, jedoch kommt es durch den Defekt in der Kammerscheidewand zu einem Druckangleich zwischen dem Hochdrucksystem (Körperkreislauf) und dem Niederdrucksystem (Lungenkreislauf) und damit zu einer starken Druckbelastung der feinen Verästelung der Lungengefäße. Dieser Druck schädigt auf die Dauer die feinen Lungengefäße irreversibel. Um ihn auf ein erträgliches Maß zu senken und damit sein Herz gleichzeitig einen größeren Anteil des mit Sauerstoff angereicherten Blutes in den Körperkreislauf pumpt, haben die Gießener Ärzte um den Lungenarterienstamm von Ayaz ein „Bändchen“ angebracht. Die nächsten Wochen werden hoffentlich zeigen, dass dieser Eingriff genügt. Andernfalls wird für Ayaz  eine weitere, deutlich kompliziertere Operation erforderlich.

Für seinen Vater und seine Geschwister, die 11 jährige Schwester Nesrin und seine beiden Brüder Hussein, 12 Jahre, und Hosibar, 8 Jahre, ist die Trennung von Ayaz und seiner Mutter schon jetzt unerträglich lang. Für die Finanzierung unserer humanitären Arbeit bitten wir um Spenden auf unser Konto „Freundschaft mit Valjevo“, 8011991 bei der Sparkasse Pfaffenhofen, BLZ 72151650.

Schweitenkirchen stellt oberbayerischen Meister

Asylbewerber Wais Sieger im Halbweltergewicht

Er ist äußerst bescheiden und deshalb dürften es auch im benachbarten Schweitenkirchen nur wenige wissen: Bei den oberbayerischen Boxmeisterschaften am 1. und 2. März in Fürstenfeldbruck trat Wais Ostanokzai für SV 1880 München an und gewann Goldmedaille und Meisterschaft im Halbweltergewicht.

DSCN1652Der 23 jährige gebürtige Afghane lebt seit bald zwei Jahren als Asylbewerber in Schweitenkirchen. Ostanokzai stammt aus Kabul. Die Leidenschaft für das Boxen hat er von seinem Vater geerbt. Der war Trainer in einem afghanischen Boxerverein und hat seinen Sohn seit seinem 14. Lebensjahr unterrichtet. In den vergangenen Monaten hatte Ostanokzai immer wieder in der Münchener Boxschule „Leo`s Boxgym“ in Neuaubing trainiert. Der dortige Trainer, Levent Cukur, Weltweister im Leichtgewicht 2003, ist überzeugt, dass er alle Voraussetzungen für eine größere Box-Karriere hat. Er gibt Ostanokzai gute Chancen, falls er im Herbst bei der Bayerischen Meisterschaft antritt. Dazu müsste der „Schweitenkirchner“ allerdings regelmäßig in der Boxschule München trainieren. Daran aber scheitert es zur Zeit, denn als Asylbewerber hat Ostanokzai nicht das nötige Geld, um sich eine Monatsfahrkarte für den Zug nach München zu kaufen. Aber warum die Hoffnung aufgeben? Vielleicht finden sich Sponsoren und dann könnte der nächste Bayerische Meister im Halbweltergewicht aus Schweitenkirchen kommen.

Sehen Sie hier einen Bericht auf intv.de: Sponsoren gesucht.

Rainer Braun: Afghanistan 2014 – Warum Hunderttausende auf der Flucht sind

Donnerstag, 17. April, 19 Uhr, im Hofbergsaal

Im Oktober 2001 überfielen US- und britische Truppen Afghanistan. Mittlerweile sind seit 13 (!) Jahren Nato-Truppen in dem zentralasiatischen Land stationiert und führen erbarmungslos Krieg gegen Aufständische. Angeblich sollen jetzt bis Jahresende alle ausländischen Kampftruppen Afghanistan verlassen, wobei die USA für sich bis 2024 Stützpunkte zur Beherrschung des Landes beanspruchen. Es ist höchste Zeit, eine Bilanz dieser blutigen 13 Jahre Militärintervention und Besatzung zu ziehen:

  • Was hat diese Militärintervention und Besatzung für die afghanische Bevölkerung bedeutet? Wie hat sich ihr Leben seit 2001 verändert?
  • Was wurde erreicht beim versprochenen Aufbau von Wirtschaft und Infrastruktur?
  • Wie sieht es aus mit der versprochenen Schaffung rechtsstaatlicher und demokratischer Verhältnisse und mit den Frauenrechten?
  • Können wir jetzt afghanische Flüchtlinge wieder in ihre Heimat abschieben?

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Reiner Braun ist seit 1981 in der Friedensbewegung aktiv. Er arbeitet als Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und der International Lawyer against Nuclear Arms (IALANA). Er ist einer der beiden Co-Präsidenten des IPB (International Peace Bureau) und hat Afghanistan im vergangenen Jahr besucht.

Im Anschluß an Vortrag und Diskussion gibt es afghanische Speisen und Musik. Den musikalischen Teil des Abends werden die Brüder Faias und Omar Nabi mit traditionellen afghanischen Instrumenten, dem Harmonium und dem Tabla, gestalten.

Abschieben und weitermachen wie bisher?

Gegen die drohende Abschiebung mehrerer Asylbewerber im Landkreis Pfaffenhofen hat unser Verein mittlerweile über 500 Unterschriften gesammelt. Nachfolgend ein Leserbrief zur aktuellen Diskussion, der am 20.März 2014 im „Pfaffenhofener Kurier“ erschienen ist:

Hauptsache Abschieben und Weitermachen wie bisher?

Am vergangenen Samstag habe ich den 21 jähriger afghanischen Flüchtling Sharif im Krankenhaus besucht. Er hatte versucht, sich das Leben zu nehmen.

Sharif hatte ich wenige Monate nach seiner Ankunft in Deutschland im Frühsommer 2010 in einer „Sammelunterkunft“ kennengelernt. Wir haben ihn für eine Woche bei den Tagesausflügen mitgenommen, die wir für unsere serbischen Schüler aus Valjevo organisierten. Er hatte große Hoffnungen und Vertrauen in seine Zukunft. Sharif gehört zu der in Afghanistan diskriminierten schiitischen Volksgruppe der Hazara. Wegen der ständigen Kriegshandlungen und persönlichen Bedrohungen schickte seine Mutter den 15 jährigen nach dem Tod des Vaters ins benachbarte Pakistan. Dort leben Hunderttausende afghanische Flüchtlinge unter erbärmlichsten Bedingungen. Nach einem Jahr ging es weiter nach Teheran. Auch die iranische Hauptstadt ist überfüllt mit afghanischen Kriegsflüchtlingen. Als Illegale sind sie gezwungen, jede noch so schlecht bezahlte Arbeit zu übernehmen. Jugendlichen Flüchtlinge sind Übergriffen jeglicher Art und der Willkür der Polizei schutzlos ausgeliefert. Sharif lebte dort gemeinsam mit 15 weiteren Flüchtlingen 18 Monate in zwei Kellerverstecken und verdiente sich seinen Unterhalt als Hilfsarbeiter. Eisern sparte er sich ein wenig Geld zusammen. Dann ging die Flucht weiter durch die Türkei, in einem kleinen überfüllten Schlauchboot zu einer griechischen Insel und schließlich über Italien nach Deutschland.

Seit mehr als 35 Jahren (!) herrscht in dem geostrategisch wichtigen Afghanistan Krieg. Das Land ist weitgehend zerstört und völlig verarmt. Rechtssicherheit, eine funktionierende Gesundheitsversorgung, Chancen für eine legale Beschäftigung außer beim Militär gibt es nicht. Eine unvorstellbare Brutalisierung und allgegenwärtige Gewalttätigkeit prägen das Leben der gesamten Gesellschaft. Die Bundesregierung setzt sich nicht mit der Frage auseinander, ob nicht auch sie durch ihre Beteiligung an der  militärischen Intervention und Besetzung des Landes seit 2001 (!)  am Elend des afghanischen Volkes mitverantwortlich ist. Mit den Flüchtlingen jedenfalls will sie nichts zu tun haben. Bereits im Mai 1993 wurde unser Asylrecht durch eine Grundgesetzänderung weitgehend abgeschafft: Wer als Flüchtling auf dem Landweg durch ein „sicheres Drittland“ nach Deutschland einreist, und „sichere Drittländer“ sind nach derzeit geltenden Rechtslage alle (!) an die Bundesrepublik angrenzenden Staaten, kann sich nicht auf das Asylrecht berufen. Das Dublin II Abkommen ermöglicht seine Abschiebung in das Land, über das er eingereist ist. Bei „unseren“ afghanischen Flüchtlingen ist das meistens Ungarn. Die Bundesregierung kann so das Problem „Flüchtlinge“ bequem auf die wirtschaftlich wesentlich schwächeren süd- und osteuropäischen EU-Randstaaten abwälzen. Wen kümmert es, dass es dort vor dem Hintergrund hoher  Arbeitslosigkeit und einer drastischen Verarmung breiter  Teile der Bevölkerung immer häufiger zu rassistischen Übergriffen gegen die Flüchtlinge kommt? Wen kümmert es, dass sie dort keine Zukunft haben und wahrscheinlich kaputtgehen werden? Sharif sollte direkt nach Afghanistan abgeschoben werden. Als er sich weigerte, die dafür erforderlichen Papiere zu besorgen, entzogen ihm die Behörden die Arbeitserlaubnis und kürzten sein Bargeld auf 5 EUR 91 im Monat. Über Monate hatte er nur die Essenspakete und 5 EUR 91 zum Leben. Ich konnte seinen Verfall beobachten. Einmal jede Woche rief ihn seine über alles geliebte Mutter aus einer Ladengeschäft im pakistanischen Quetta an. Dorthin war sie zuletzt mit seinen Geschwistern geflüchtet. Stets bat sie Sharif, durchzuhalten. Der letzte Anruf kam vom Ladenbesitzer selbst: ein Selbstmordattentäter hatte mit einer Bombe auf dem Marktplatz Dutzende Hazara in den Tod gerissen. Unter den Toten befanden sich Sharif`s Mutter und seine Geschwister. Sharif hat keinen Lebenswillen mehr. Wir brauchen ihn nicht mehr abschieben. Sobald er wieder eine Gelegenheit hat, will er selbst Schluss machen, wie er mir versicherte. Im gleichen Krankenhaus habe ich anschließend noch ein kleines afghanisches Mädchen besucht. Es hat seine Eltern bei der Explosion einer Personenmine verloren und wurde dabei selbst schwer verletzt.  Afghanistan ist voll von Personenminen. Nicht wenige stammen von „Markenherstellern“  aus Deutschland. Ich werde am Samstag wieder auf dem Hauptplatz Unterschriften für unsere Flüchtlinge sammeln.  Wenn wir uns als Bürger hinter sie stellen, sind Abschiebungen zu verhindern. Das Flüchtlingselend aber wird nur dann sein Ende finden, wenn wir nicht mehr bereit sind, Waffenexporte, „Militärinterventionen“ und die Ausplünderung der Dritten Welt stillschweigend hinzunehmen.

„In einem besetzten Land gibt es keine Demokratie, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit“

Malalai Joya

Malalai Joya, Bild: de.wikipedia.org

Am Samstag, den 11.Februar 2011 sprach die afghanische Friedenskämpferin Malalai Joya in Pfaffenhofen bei „Freundschaft mit Valjevo e.V. über die Lage in ihrem Heimatland nach 10 (!) Jahren Besatzung durch US- und Natotruppen.

Seit über 30 Jahren herrscht in Afghanistan Krieg. Ende der 70er Jahre hatten die USA fundamentalistische islamististische Mudschahedin bewaffnet und finanziert, um die damals in Kabul regierende mit Moskau verbündete Linksregierung zu stürzen. 1992 konnten die Mudschahedin nach vielen Jahren blutiger Kämpfe die Macht übernehmen, die sie allerdings bereits 1996 an die Taliban verloren. Als Verbündete der USA konnten die Mudschahedin („Nordallianz“) nach der amerikanischen Intervention 2001 wieder an die Regierung in Kabul zurückkehren.

In ihrem Vortrag zog Malalai Joya eine Bilanz der letzten 10 Jahre seit Afghanistan von US- und Nato-Truppen besetzt ist. Laut Malalai Joya sind die heute in Kabul regierenden Mudschahedin, Warlords und Drogenbarone um Hamid Karzai genauso wie die rivalisierenden Taliban islamistische Fundamentalisten und Feinde jeder Demokratie und jeglicher Frauenrechte. Die Besetzung durch USA und Natotruppen und die durch sie betriebene Ausweitung des Krieg hätten zu einem ständig wachsenden Blutvergießen, Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen geführt. Zehntausende Zivilisten hätten infolgedessen ihr Leben verloren. Die von den Natostaaten gewährte Wiederaufbauhilfe verschwinde zum größten Teil in den Taschen der völlig korrupten Regierung aus Warlords und Drogenbaronen. Gleichzeitig litten große Teile der Bevölkerung an chronischer Unterernährung, lernten immer weniger Menschen Lesen und Schreiben, gäbe es keinerlei Sicherheit. Speziell für die Frauen habe sich die Situation dramatisch verschlechtert: Entführungen, Vergewaltigungen, Angriffe mit Säuren und häusliche Gewalt nähmen ständig zu. In den 10 Jahren der Besatzung sei Afghanistan zum wichtigsten Opiumanbaugebiet der Welt geworden. Während US Stellen und Drogenbarone am Opiumhandel Milliarden verdienten, seien Millionen Menschen in Afghanistan drogenabhängig geworden. Malalai Joya warf USA und Natostaaten vor, in Afghanistan ausschließlich ihre eigenen militärischen und geostrategischen Interessen zu verfolgen und deshalb jegliche Verbrechen der mit ihnen verbündeten Karzai Regierung aus warlords und Drogenbarone zu tolerieren. Die Ankündigung von USA und Nato,sich Mitte 2014 aus Afghanistan zurückzuziehen, ziele nur darauf, die Öffentlichkeit zu täuschen. Tatsächlich wollten sie das Land auch weiter besetzt halten. Mit Hilfe des forcierten Aufbaus der afghanische Armee und Polizei, die ihnen als Kanonenfutter dienen sollen, hofften sie mit weniger eigenen Verlusten die Kontrolle über Afghanistan zu behalten.

Malalai Joya forderte dagegen den vollständigen Abzug aller ausländischen Truppen. Drogenbarone und Warlords würden dadurch ihre Hauptstütze verlieren. Eine Rückkehr der Taliban an die Macht würde die afghanische Bevölkerung nach ihrer Auffassung nicht zulassen. Die Geschichte, so Malalai Joya, zeige, dass Nationen sich nur selbst befreien könnten. Demokratie und Gerechtigkeit könnten nicht durch fremde Mächte von außen hergestellt werden.

Siehe auch Interview mit Malalai Joya im Donaukurier: „Die Besatzer müssen raus“

Die Veranstaltung fand am Samstag den 11. Februar, 19 Uhr 30 in der Gaststätte Stegerbräu, Ingolstädter Strasse 13, in 85276 Pfaffenhofen statt.

Afghanistan nach über 10(!) Jahren Nato-Krieg und Besatzung

Referentin : Malalai Joya
Abgeordnete des afghanischen Parlaments 2005 bis 2007
Frauenrechtlerin und Friedenskämpferin