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“Freundschaft mit Valjevo” unterstützt die Asylbewerber in der Sammelunterkunft Neuburg bei der Durchsetzung ihrer Rechte

Zwei Themen beherrschen derzeit die Gespräche unter den fast 500 Asylbewerbern der Sammelunterkunft in Neuburg:

  • Zwei mittlerweile auszugsberechtigte afghanische und eine Roma-Familie aus Bulgarien sollen nach dem Willen der Regierung von Oberbayern ihre Zimmer in der Sammelunterkunft räumen. Andernfalls wurde ihnen angedroht, werden sie mit Hilfe der örtlichen Polizei bereits in den nächsten Tagen in die Obdachlosenunterkunft gebracht. Alle betroffenen drei Familien haben schulpflichtige Kinder. Sie bemühen sich seit Monaten intensiv, eine Wohnung zu finden. Aufgrund der schwierigen Wohnungssituation in Neuburg und der behördlichen Vorgabe, eine Wohnung in diesem Landkreis zu nehmen, bisher leider ohne Erfolg.
  • Mehreren Dutzend Asylbewerbern wird der ihnen laut Urteil des Bundesverfassungsgericht vom 18.07.12 als Übergangslösung zustehende Barbetrag von 134 EUR komplett verweigert, Sozialgerichte: Leistungskürzungen nach § 1a AsylbLG sind verfassungswidrig!. Dieser soll ihnen ein Mindestmaß an Teilnahme am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben ermöglichen. Einige der Betroffenen erhalten bereits über viele Jahre hinweg überhaupt kein Taschengeld. Sie sind von den physischen und psychischen Folgen dieses Totalausschlusses aus dem gesellschaftlichen Lebens schwer gezeichnet. Betroffen sind in erster Linie Schwarzafrikaner. “Gerechtfertigt” wird diese Komplettstreichung in den Bescheiden der Ausländerbehörde des Landkreises mit der Behauptung, die Betroffenen würden nicht ausreichend bei ihrer Identitätsbestimmung (Beibringen eines Passes) mitwirken. Die Beschaffung der geforderten Unterlagen ist jedoch für viele Asylbewerber aufgrund der Situation in ihren Heimatländern (Krieg bzw.bürgerkriegsähnliche Zustände) objektiv kaum möglich. Das Sozialgericht Altenburg hat in seiner Entscheidung vom 11. Oktober 2012 bereits festgestellt, dass die vom Bundesverfassungsgericht verbindlich festgelegte menschenwürdige Existenzminimum unantastbar ist. Jedwede Kürzung des aufgrund dieses Grundrechtes bestimmten Leistungsanspruches ist verfassungswidrig. Übereinstimmend stellte deshalb auch das Sozialgericht Düsseldorf fest: “Das Unterschreiten des Existenzminimums kann auch nicht mit der Argumentations gerechtfertigt werden, der Hilfeempfänger habe es in der Hand, durch die Erfüllung ausländerrechtlicher Mitwirkungspflichten wieder in den Genuss ausreichender Leistungen zu kommen. Im Hinblick auf die Unantastbarkeit der Würde des Menschen darf ihre Beeinträchtigung nämlich nicht als Druckmittel eingesetzt werden.”

Wir haben die Öffentlichkeit in Neuburg informiert und fordern gemeinsam mit den betroffenen Asylbewerbern:

  • Mehr Zeit und Unterstützung für oben genannten afghanische und bulgarische Familien, damit sie eine für sie bezahlbare Wohnung finden können. Die behördliche Einschränkung ihrer Wohnungssuche auf den Landkreis Neuburg muss aufgehoben werden. In der Sammelunterkunft ist eine Fachkraft zu beschäftigten, die auszugsberechtigten Personen bei der Wohnungssuche hilft. Gleichzeitig ist der Bau preisgünstiger Sozialwohnungen in Bayern umgehend deutlich zu verstärken;
  • + Entsprechend den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes sind allen Asylbewerbern der Sammelunterkunft ohne jede Ausnahme die ihnen zustehenden Barbeträge auszuzahlen. Ihnen muss endlich das durch unsere Verfassung garantierte Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben ermöglicht werden.

Lesen Sie dazu nachfolgende Artikel im “Donaukurier”, “Augsburger Allgemeine” und “INTV”:

“Freundschaft mit Valjevo” feiert mit Asylbewerberfamilien

Kleidung, Spielsachen und ein Zauberer für die Kinder

Feier mit AsylbewerberfamilienRund 500 Flüchtlinge sind in der Sammelunterkunft für Asylbewerber in der Donauwörther Strasse in Neuburg untergebracht. Unter ihnen befinden sich auch 60 Kinder. Für diese Kinder und ihre Eltern unser Verein “Freundschaft mit Valjevo” am Sonntag, 18. November 2012, wieder ein kleines Fest im Gemeindezentrum der dortigen evangelischen Christuskirche organisiert.

Seit ein paar Jahren bringen Mitglieder unseres Pfaffenhofener Vereins, der sich für Völkerverständigung einsetzt und Kriege entschieden ablehnt, einmal im Monat Lebensmittel für die Kinder in die Sammelunterkunft. Dadurch sind viele Kontakte entstanden. So war es kein Wunder, dass am letzten Sonntagnachmittag alle eingeladenen Familien, weit mehr als 100 Menschen zu unserem Fest in das evangelische Gemeindezentrum kamen. Dort gab es für sie Kaffee, Kuchen, frisches Obst und viele begehrte Geschenke. Gerade rechtzeitig zum Beginn der kalten Jahreszeit konnten wir größere Mengen neuer Kleidung, Jacken, Hemden, Wollmützen, Socken, Schlafanzügen, Kinderschuhe an die Familien der Asylbewerber ausgegeben. Sie waren von Firmen gespendet worden. Für die Kinder gab es dazu noch Schul- und Spielsachen und als besonderen Höhepunkt eine Vorstellung des Zauberers Fabien Rebouh. Rebouh zog die Kinder in seinen Bann: Ungläubig und fasziniert staunten sie, wenn ihnen mit einem einfachen Abrakadabra die Zaubereien gelangen, an denen der Zauberer selbst gescheitert war.

Das Fest bot eine gute Gelegenheit mit den Asylbewerbern, ins Gespräch zu kommen. Fast alle stammen sie aus Ländern wie Afghanistan, Irak, Syrien, Somalia oder dem Kongo, die als Folge von Krieg und Bürgerkrieg weitgehend zerstört sind. Sie haben den Wunsch, für sich und ihre Kinder bei uns eine neue Existenz aufzubauen und sind stark an Kontakten mit Deutschen interessiert. Das Leben in den äußerst beengten Räumlichkeiten der Sammelunterkunft, 1-Zimmer “Wohnungen” für ganze Familien, Räume mit 14 qm für alleinerziehende Mütter, in denen sie oft Jahre verbringen müssen, problematische hygienische Verhältnisse, ist für sie bedrückend. Es ist schwer für die Kinder, unter diesen Bedingungen zu lernen. Viele von ihnen verschweigen ihren Schulkameraden, dass sie “im Lager” aufwachsen, haben Angst, dass dies bekannt werden könnte. Auch wer nach Jahren des Wartens endlich berechtigt ist, auszuziehen, hat wenig Möglichkeiten, eine für ihn bezahlbare Wohnung zu finden, ganz zu schweigen von den Vorurteilen, die es auch bei uns gibt. Soll ihre Integration gelingen, ihre Kinder eine Chance in unserer Gesellschaft erhalten, darf diese Aufgabe nicht nur den wenigen sehr engagierten Sozialarbeitern der Caritas und Diakonie in der Sammelunterkunft in Neuburg überlassen bleiben. Wir alle, Landkreis, Stadt, Vereine und Bürger sind gefordert, unseren Beitrag zu leisten.

BOMBEN JA – ASYL FÜR FLÜCHTLINGE NEIN?

Kriege und Bürgerkriege zwingen Millionen Menschen, ihre Heimat zu verlassen.  Nicht umsonst stehen Afghanistan und Irak auch bei uns an der Spitze der Herkunftsländer der Flüchtlinge.  Auch im Landkreis Pfaffenhofen sind einige Dutzend Asylbewerber untergebracht.

Referent: Rechtsanwalt Herr Michael Sack

Nach den Mühen und Gefahren ihrer Flucht hoffen sie, bei uns auf Aufnahme und die Möglichkeit, sich in Frieden und ohne Diskriminierung eine neue Existenz aufbauen zu können. Wie sieht die Wirklichkeit aus? Welche Politik betreibt die Bundesregierung gegenüber Flüchtlingen? Welche Chancen haben sie, anerkannt zu werden? Wie ist das mit Arbeitsverbot, Residenzpflicht, Zwangsunterbringung in Sammelunterkünften, Versorgung mit Sachleistungen? Welche Einschränkungen gibt es bei ihrer medizinischen Versorgung? Was können wir für die Flüchtlinge tun?

Diesen Fragen wollen wir nachgehen und laden ein zu unserer nächsten Veranstaltung:

ASYLBEWERBER IN BAYERN – FLUCHTGRÜNDE
LEBENSBEDINGUNGEN, ASYLVERFAHREN, ABSCHIEBUNG, SOLIDARITÄT
REFERENT: RECHTSANWALT MICHAEL SACK, MÜNCHEN
FREITAG, 15. JUNI, 19UHR 30 HOFBERGSAAL, Hofberg 7, Pfaffenhofen

Michael Sack ist seit 1980 als Rechtsanwalt tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Flüchtlings- und Ausländerrecht, Staatsangehörigenrecht und Strafrecht. Er arbeitet eng mit dem Münchener Flüchtlingsrat, dem Bayerischen Flüchtlingsrat, Amnesty International und Refugio zusammen. Seit 1985 ist Michael Sack zudem ehrenamtlich in der Rechtsberatung der “Rechtshilfe für Ausländerinnen und Ausländer e.V.” tätig.

« Tafeln » und Barmherzigkeit statt Rechte und Sozialstaat?

Professor Dr. Stefan Selke sprach über die “Welt der Tafeln”

Können immer mehr “Lebensmitteltafeln” die Lösung für die wachsende Armut in unserem Lande sein? Um diese Frage zu diskutieren, hatten die “Freunde von Valjevo” Dr. Stefan Selke, Professor für Soziologie an der Hochschule Furtwangen University, am Samstag, den 30. April 2011, zu einem Vortrag über die “Welt der Tafeln” eingeladen.

Tiefe Einschnitte in den Sozialstaat, die Hartzgesetze und die Förderung von Leiharbeit und Minijobs haben die Zahl bedürftiger Menschen in unserem Land deutlich ansteigen lassen. Mit ihnen wuchs auch die Zahl der “Tafeln” sprunghaft an. Wie Stefan Selke in seinem Vortrag deutlich machte, sind sie keine nachhaltige Lösung gegen die Armut in unserer Gesellschaft. Sie könnten keine flächendeckende Versorgung bieten: Die „Tafeln“ würden vor allem in reicheren Regionen gebildet, dort, wo viele Lebensmittel übrig blieben. In Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit und Armut, wie in Ostdeutschland, wo sie besonders notwendig wären, gäbe es nur wenige dieser Einrichtungen. Dabei überwinden nur etwa 15% der Menschen, die aufgrund ihrer Bedürftigkeit zu “Tafeln” gehen dürften, ihre Hemmschwelle. Die meisten schreckten davor zurück. Sie möchten nicht ihre Armut öffentlich zeigen, indem sie zur „Tafel“ gingen und fühlen sich erniedrigt fühlen, sie das essen sollen, was vom Lebensmittelhandel für den Normalbürger bereits aussortiert wurde. Viele sehen auch die strikte Trennung bei den “Tafeln” zwischen Helfern und den “Kunden”, die nicht mitarbeiten dürfen, als Diskriminierung. Eine gleichberechtigte Begegnung auf Augenhöhe sei so nicht möglich.

Der Staat, betonte Selke, spare kurzfristig Geld, wenn er die Regelsätze für Sozialgeld und Hartz IV unzureichend ansetze und privaten Helfern wie den “Tafeln” die “Zusatzversorgung” überlasse. Wenn man aber die langfristigen Kosten berücksichtige, die der Gesellschaft dadurch entstehen, dass viele Betroffene als Folge ständiger Demütigung und Entmündigung schließlich völlig resignierten, käme man zu einem anderem Ergebnis. Selke forderte eine Rückkehr zum Sozialstaat mit Rechtsansprüchen für Bürger in Notlagen statt sie von privater Barmherzigkeit abhängig zu machen. Die “Tafeln” seien heute keine soziale Bewegung. Sie stellten sich keine gesellschaftspolitischen Ziele. Motiv ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter sei der Wunsch, für sich eine sinnvolle Tätigkeit zu finden und Anderen zu helfen. Darauf sollten sie sich, so Selke, aber nicht beschränken, sondern mit ihren “Kunden” für die Beseitigung der politisch gemachten Armut eintreten. Dafür sind, wie in der anschließenden Diskussion mehrfach betont wurde, Mindestlöhne, eine deutliche Anhebung der Regelsätze und mehr soziale Gerechtigkeit unverzichtbar. Die “Tafeln” würden dann weitestgehend überflüssig.

“Pfaffenhofener Kurier” zum Thema Sozialrabatte

Sozialrabatte deutlich ausgeweitet. Ein Bericht aus dem "Pfaffenhofener Kurier" vom 15.09.2009

Sozialrabatte deutlich ausgeweitet. Ein Bericht aus dem "Pfaffenhofener Kurier" vom 15.09.2009