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Fukushima und die Folgen

Prof. Dr.med. Dr.h.c. EdmundLengfelder feierte Ende Märzseinen 65. Geburtstag. Er studierte in München Medizinund schrieb seine Doktorarbeitzur Strahlenbiochemie von Nucleotiden. Seit 1983 ist er Professor für Strahlenbiologie an der Maximilian-Universität in München.

Professor Dr. Lengfelder in Pfaffenhofen am 30.4.2011

Professor Dr. Lengfelder in Pfaffenhofen am 30.4.2011

Laut Professor Dr. Lengfelder zeigten die seismographischen Aufzeichnungen mehrerer sowjetischer Stationen, dass die entscheidende Ursache für den Super-Gau in Tschernobyl 1986 ein Erdbeben gewesen sei. In den besonders stark von der Strahlen belasteten Regionen in Belarus, der Ukraine und Russland habe diese Katastrophe zu einem beängstigenden Anstieg bei Schilddrüsenkrebs, insbesondere bei Frauen, und einem Anstieg bei den Totgeburten geführt. Da das radioaktive Material nach einem Gau zunächst mehrere Tausend Meter aufsteigt, mit dem Wind über große Entfernung getragen wird und erst mit dem Regen niederkomme, sei die atomare Verstrahlung nicht auf den unmittelbaren Umkreis begrenzbar.

Nach Auffassung von Lengfelder bagatellisieren die Behörden unter dem Einfluss der Atomindustrie in unverantwortlicher Weise die Gefahren der Atomenergie. So sei die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) durch ihre Satzung verpflichtet, die Verbreitung der Kernenergie zu fördern. Sie müsse die Gefahren also herunterspielen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe sich durch Vertrag mit der IAEA binden lassen, Informationen über Gesundheitsschäden durch die Atomenergie als „vertrauliche Information“ zu behandeln und vor der Öffentlichkeit zu verschweigen. Auch bei Einhaltung der gültigen Grenzwerte für die Strahlenbelastung für die Bevölkerung gäbe es bereits Gesundheitsschäden. Die Grenzwerte seien von der Politik deshalb nicht niedriger festgelegt worden, weil ein höherer Aufwand zur Rückhaltung radioaktiver Stoffe die Renditen der Atomindustrie in ihren Augen zu stark beschneiden würden.>br> Die aktuelle Katastrophe von Fukushima wird nach Auffassung von Lengfelder wegen der hohen Bevölkerungsdichte, der Menge an freigesetzten radioaktiven Stoffe und der für ihn wesentlich weniger effizienten Maßnahmen des Katastrophenschutzes in Japan erheblich schlimmere Gesundheitsschäden zur Folge haben als in Tschernobyl.
Lengfelder wies eindringlich darauf hin, dass die meisten Kernkraftwerke wegen des benötigen Kühlwassers an großen Flüssen oder an der Küste errichtet worden sind. Diese Gegenden seien wegen der dort vorhandenen tektonischen Bruchlinien der Erde besonders erdbebengefährdet. 27 Kernkraftwerke gibt es in Deutschland. Als Folge der Bagatellisierung der Risiken, die mit dem Betreiben der Kernkraftwerke verbunden sind, sei der Katastrophenschutz auch bei uns auf einen Gau nur völlig unzureichend vorbereitet. Der renommierte Strahlenbiologe und Arzt forderte deshalb nach Fukushima jetzt deutlich mehr Engagement von den Bürgern. Ohne dieses Engagement werde der Ausstieg aus der Atomwirtschaft schwerlich durchzusetzen sein.

Interessierte können den Folienvortrag von Professor Dr. Lengfelder bei Bernd Duschner anfordern.

Die Veranstaltung fand am 30.4.2011 statt.