DIDO UND AENEAS

Gemeinsame Opernaufführung der Musikschule Valjevo und des Gymnasiums Pfaffenhofen 

In der 2. Septemberhälfte fuhr der Chor unseres Schyrengymnasiums unter Leitung von Dr. Stefan Daubner für eine Woche nach Valjevo. Dort studierten sie gemeinsam mit dem Jugendorchester des Musikschule von Valjevo unter Leitung von Suzana Radovanovic die Oper „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell ein. Bei ihrem Aufenthalt lernten die Pfaffenhofener Schüler die serbische Stadt kennen, besuchten Schulen, Museen, Galerien, orthodoxe Klöster und wurden in Belgrad vom deutschen Botschafter empfangen.

Nach der glanzvollen Aufführung der Oper am 21. September im überfüllten Centar za kulturu in Valjevo vor 650 Zuhörern ging es mit dem Bus gemeinsam nach Pfaffenhofen. Nach einigen Tagen weiterer Proben und Tagesausflügen nach München und zum Donaudurchbruch in Weltenburg fanden in der Georg-Hipp- Realschule am 27. und 28. September zwei weitere Konzerte statt.Nachfolgend eine Besprechnung der Aufführungen von Herrn Dr. med. Eberle:

So muss Oper

Sensationelle Opernaufführung in Pfaffenhofen

Man nehme ein Tau als Requisit. Man nehme ca. 50 Schüler als Sänger, Instrumentalisten und Solisten, dazu einige Lehrer. Dann noch Kostüme, Lichttechnik, Tontechnik, Regie, Choreografie und finanzielle Unterstützung. Und schon hat man ein wegweisendes europäisches Schul- und Kulturprojekt. 

Na ja, ganz so einfach ist es nicht. Man braucht herausragende PädagogInnen und einen langen Atem und ein Jahr Zeit zum Proben und viel viel Leidenschaft. 

Ende September wurde die Oper Dido und Aeneas von Henry Purcell in der Realschule Pfaffenhofen aufgeführt. Wohlgemerkt von Schülern. Ein ziemlich ehrgeiziges und gewagtes Unterfangen, schon deshalb, weil die Akteure weit auseinander in verschiedenen Ecken Europas leben und unterschiedliche Sprachen sprechen. Auch deshalb weil Schüler und nicht Musikprofis an den Instrumenten sitzen und als Solisten auftreten und den Chor stellen. 

Die aufgeführte Oper spielt in Nordafrika. Die Geschichte dazu wurde von einem Italiener (dem Römer Vergil) aufgeschrieben. Ein Engländer (Henry Purcell) hat um 1688 daraus eine Oper gemacht. Bayerische und serbische Schüler haben diese Oper erklingen lassen. Mit großem Erfolg in Serbien und in Deutschland. 

Es gibt zur Zeit eine politische Gruppierung, die sich die Albernen für Deutschland nennen oder so ähnlich. Diese Leute fordern, den Unterricht und die Kultur auf deutschnationale Inhalte einzuengen. Kultur war aber immer schon multikulturell. Wenn man sich in der Musik, der Schriftstellerei, der bildenden Kunst, bei Theater und Tanz nicht von all den anderen Künstlern der Welt inspirieren lässt, dann verfällt man schnell der geistigen Inzucht. So verkommt die Kultur zu einer gestrigen nationalen Tölpelei, was man anhand des Dritten Reiches gut studieren kann. 

Zurück zur Story von Vergil und Purcell. Das ist eine ziemlich verschwurbelte Liebesgeschichte mit unglücklichem Ausgang. Die handelnden Personen sind auf vielfache Weise gefesselt und gebunden. Das wird durch das Tau symbolisiert. Sie binden sich, werden aneinander gebunden. Sie sind aber auch gefesselt an ihre sonstigen Pflichten, an Karthago, an das zu gründende Rom, an die Götter, bei Purcell an Hexenzauber und Geisterglauben. Aber ist das nicht im richtigen Leben auch so, dass wir nicht können was wir wollen und nicht dürfen was wir sollen? Fast alle Menschen stecken fest in unbewussten Strukturen, sie sind nicht frei und können damit nicht bewusst handeln. So nimmt das Schicksal seinen Lauf. Am Ende tötet sich Dido. Der Vorgang wird nicht gezeigt, aber angedeutet durch das Tau, das Dido zur Schlinge knüpft. Purcell wiederum bekam dadurch die Möglichkeit zu einer hochdramatischen Arie. 

Die Musik von Purcell ist arg artifiziell und oft harmonisch extremen Wendungen unterworfen. Höfisch noble Musik von 1688. Schwierig für die Sänger und auch für das Publikum. 

Genau hier beginnt die ganze Geschichte noch einmal richtig spannend zu werden. Denn bei jedem Schritt wird die Angelegenheit komplexer. Am Ende stehen die Schüler und ihre Reaktionen und das Publikum. Es ist kaum zu glauben, wie intensiv und voller Energie die Schüler das singen und spielen. Sie wirken auf der Bühne überhöht und besonders. Nach der Vorstellung sind sie dann übrigens wieder ganz normale junge Leute. Aber wenn sie spielen und singen dann haben sie eine ungeheure Konzentration und Ausstrahlung. Dann sind sie wirklich mythische Figuren. Man kann die Intensität gar nicht fassen. Das Publikum wird von den Stimmen und von der Musik in einen hypnotischen Bann gezogen. 

Das serbische Schülerorchester aus Valjevo begleitete professionell und geradezu beiläufig, und Chor und Solisten waren mit größtem Eifer bei der Sache. Vor vielen Jahren gab es einmal im Gnadenthal-Gymnasium in Ingolstadt eine Aufführung der Beggar`s Opera.  https://de.wikipedia.org/wiki/The_Beggar%E2%80%99s_Opera
Auch damals war es ergreifend die Begeisterung der Schüler und Lehrer und ihre absolute Hingabe zu erleben. 
Wenn man eine Oper in einem professionellem Zusammenhang erlebt, dann meistens aus 25 Metern Entfernung distanziert im Mezzopiano. Ziemlich perfekt aber man ist wenig ergriffen. Ganz anders im Saal in Pfaffenhofen. Da wirkt alles näher und unmittelbarer. Man ist geradezu erschüttert. Deshalb ist der enthusiastische Applaus am Ende völlig verständlich. 

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