Steuern wir auf eine Konfrontation mit Russland zu?

Hannes Hofbauer spricht über das „Feindbild Rußland“

Werden in den führenden Medien Feindbilder gegen andere Staaten und deren Regierung verbreitet, sollten wir das als eindringliche Warnung vor möglichen militärischen Zusammenstößen verstehen. Der österreichische Historiker und Publizist Hannes Hofbauer hat sich in seinem neuen Buch mit dem „Feindbild Russland“ auseinandergesetzt. An diesem Freitag, den 19. Mai, 19 Uhr 30, spricht Hofbauer zu diesem Thema im Hofbergsaal.

Hannes Hofbauer

Hannes Hofbauer

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und einem Jahrzehnt der Schwäche und des wirtschaftlichen Niedergangs hat sich Russland unter Putin seit dem Jahre 2000 wieder schrittweise konsolidiert. Eine weitere Ausdehnung von EU und Nato nach Osten versteht Moskau als Bedrohung und will es nicht mehr hinnehmen.

Für amerikanische Strategen wie James Stavridis, Nato – Oberbefehlshaber in Europa von 2009-2013, ist das nicht akzeptabel. Im Vorwort zu dem Buch „2017. War with Russia“ schreibt er: „Von allen geopolitischen  Gefahren, denen sich die Vereinigten Staaten im 21. Jahrhundert gegenübersehen, ist der Wiederaufstieg Russlands unter Präsident Putin die gefährlichste. (…). Unter Präsident Putin hat Russland einen gefährlichen Kurs eingeschlagen. Sollte es ihm erlaubt werden, damit fortzufahren, wird dies zwangsläufig zu einer Kollision mit der Nato führen. Und das wird einen Krieg bedeuten, der schnell auch atomar geführt werden könnte.“ Bereits 2014 warnten 60 namhafte Persönlichkeiten, unter ihnen der frühere Bundespräsident Roman Herzog und der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder, vor einem Krieg in Europa. In einem Aufruf forderten sie eine neue Entspannungspolitik in Europa auf der Grundlage gleicher Sicherheit für alle und mit gleichberechtigten, gegenseitig geachteten Partnern. Davon sind wir heute weit entfernt. Zum Konflikt um die Ukraine ist der Krieg um Syrien dazu gekommen, in dem beide Seiten unmittelbar militärisch involviert sind. Eine neue Aufrüstungsspirale und ein Wirtschaftskrieg mit gegenseitigen Sanktionen sind bereits im Gange.  Grund genug, sich mit dem neuen und doch so bekannten „Feindbild Russland“ auseinanderzusetzen.

Hannes Hofbauer wurde 1955 in Wien geboren. Er studierte Wirtschafts- und Sozialgeschichte und arbeitet als Publizist und Verleger. Er hat zahlreiche Bücher zur sozialen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in den osteuropäischen Ländern veröffentlicht.

Ermöglichen wir Müttern in Damaskus eine Berufsausbildung und damit eine Lebensperspektive

Nach 6 Jahren Krieg und rigorosen Wirtschaftssanktionen durch die EU sind große Teile der syrischen Bevölkerung verelendet. Mit einem weiteren Projekt wollen wir ein Zeichen unserer Solidarität mit dem syrischen Volk setzen: In Zusammenarbeit mit der Leiterin der Italienischen Krankenhauses, Schwester Ana Maria Scarzello, möchten wir Müttern in Damaskus eine Berufsausbildung zur Schneiderin ermöglichen.

Viele Frauen in Damaskus befinden sich in einer verzweifelten Situation. Ein großer Teil von ihnen sind Flüchtlinge aus den verschiedensten Teilen des Landes und in Notunterkünften unterbracht. Viele von ihnen haben infolge des Krieges und der Terroranschläge ihren Ehegatten verloren und
müssen alle auf sich gestellt ihre Kinder ernähren.

Schwester Ana Maria Scarzello, hat uns gebeten, für eine Klasse von 32 Müttern die Finanzierung der Berufsausbildung zur Schneiderin zu übernehmen. Der Unterricht findet an allen Werktagen von 7 Uhr 30 bis 14 Uhr statt. Die Ausbildung geht über 4 Monate. Zum Abschluss erhalten die Teilnehmerinnen eine Nähmaschine als Geschenk. Ein solcher Kurs
konnte bereits mit Geldern des UN-Flüchtlingshilfswerkes erfolgreich durchgeführt werden. Wie uns Schwester Scarzello schreibt, waren die Frauen sehr glücklich, weil sie bei diesem Kurs untereinander Kontakte knüpfen, sich austauschen und dazu noch einen Beruf erlernen konnten. Dank dieser Ausbildung können viele Teilnehmerinnen mittlerweile für Schulen, Krankenhäuser oder als selbständige Schneiderinnen arbeiten und ein wenig Geld für den Unterhalt ihrer Familien verdienen. Die Frauen und ihre Familien, so Scarzello, erhalten damit eine Lebensperspektive. Anfragen von Frauen gibt es in Überfülle.

Die Ausbildung soll im Juni 2017 beginnen. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende auf unser Konto auch dieses Projekt wieder zu verwirklichen:

Unsere Kontoverbindung bei der Sparkasse Pfaffenhofen lautet:
IBAN DE06 7215 1650 0008 0119 91
Stichwort „Hilfe für die Frauen in Damaskus“

Plakat: Berufsausbildung als Schneiderin Lebensgrundlage für Mütter in Damaskus

Mit Herrenmenschen-Gehabe in die Katastrophe

Leserbrief von Bernd Duschner zum US-Angriff auf den syrischen Militärflughafen Al-Schairat. Donaukurier am 19.4.2017.

Am 7. April 2017 haben die USA den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat mit Raketen angegriffen und zahlreiche syrische Militärflugzeuge zerstört. Der Flughafen spielt eine wichtige Rolle beim Kampf der syrischen Armee gegen die Jihadisten. Der Jubel bei den Terroristen der Al-Nusra Front ist verständlich.
Ihren Angriff haben die USA mit einem Giftgaseinsatz in der Stadt Chan Scheichun gerechtfertigt. Die Stadt wird von den Jihadisten kontrolliert. Diese hatten behauptet, die syrische Armee hätte bei einem Luftangriff Bomben mit Giftgas eingesetzt. Das syrische und das russische Militär bestreiten das. Warum sollten sie auch den USA einen Vorwand für ein Eingreifen liefern? Nach ihrer Darstellung hatte Al-Nusra Giftgas in einem Munitionslager deponiert, das die Syrer bei einem Luftangriff unwissentlich getroffen hätten. Welche Version richtig ist, kann nur eine unparteiische Untersuchung vor Ort, beispielsweise durch UN – Spezialisten, klären. Für die US-Regierung, deren erklärtes Ziel der Sturz der syrischen Regierung ist, sind solche Untersuchungen bei ihren Kriegsplänen nur hinderlich. Wie 2003 bei ihren falschen Anschuldigungen gegen Saddam Hussein wegen seiner angeblichen Massenvernichtungswaffen, 2011 gegen Gaddafi, der Viagra an seine Soldaten für Massenvergewaltigungen ausgeben haben sollte, haben sie ohne jegliche Beweise für die Richtigkeit der Darstellung der Jihadisten vorzulegen und ohne Zustimmung des UN – Sicherheitsrates Syrien angegriffen. Die Führung der USA sieht sich selbst als Herrenmenschen, die über dem Völkerrecht stehen: Wenn es um Afrikaner und Araber geht, erheben sie die Anklage, sprechen das Urteil und vollstrecken es. Es ist erschreckend, dass sich Kanzlerin Merkel und die SPD-Führung hinter diesen Völkerrechtsbruch gestellt haben.
Nationalstaaten sind das entscheidende Instrument, mit dem Völker ihr Leben eigenständig gestalten und über die Verwendung ihres Reichtums verfügen können. Den Arabern mit ihrem Ölreichtum wollen USA und Nato-Führung ihre Nationalstaaten nicht zugestehen. Nach der Zerstörung Afghanistans, Somalias, des Irak und Libyens führen die USA seit 2011 Krieg gegen Syrien. Durch Anheizen der internen religiösen und ethnischen Konflikte soll das Land in Kleinststaaten zerschlagen werden. Als sei es die größte Selbstverständlichkeit, haben die amerikanischen Leitmedien ausführlich berichtet, wie ihre Geheimdienste, die Türkei und Saudi-Arabien die Jihadisten mit modernsten Waffen beliefert und diese in Lagern in der Türkei und Jordanien von US-Spezialkräften für den Kampf gegen die syrische Regierung ausgebildet wurden. Mittlerweile setzen die USA auf kurdische Nationalisten, um große Teile im ölreichen Norden und Osten von Syrien abzutrennen. Dort haben die USA ohne die syrische Regierung zu fragen, auf syrischen Boden eigene Militärstützpunkte errichtet. Tornados der Bundeswehr liefern ihnen bei ihren regelmäßigen Bombardierungen in Syrien die Zieldaten, wie anlässlich des Totes von 33 Zivilisten bei einem US-Luftangriff auf eine ehemalige Schule in Al-Mansoura vor wenigen Wochen bekannt geworden ist. Mit ihrer Unterstützung für einen Kurdenstaat in Syrien haben die USA gleichzeitig ihrem Nato-Partner Erdogan den gewünschten Vorwand verschafft, ein großes Stück im Norden Syriens zu besetzen. Israel hat bereits 1981 die wasserreichen Golanhöhen annektiert. Herrenmenschen stehen eben über dem Völkerrecht.
Die „Zerlegung“ Syriens wird zu weiteren ethnischen Säuberungen, Chaos und Anwachsen des Flüchtlingselends führen. Muss uns das stören? Schließlich haben doch Merkel und ihre SPD Minister Erdogan Milliarden bezahlt, damit er den Fluchtweg nach Europa versperrt und wir das Elend der Flüchtlinge nicht sehen müssen. Täuschen wir uns nicht: Das Herrenmenschengehabe und die arrogante Missachtung des Völkerrechts gegenüber der 3. Welt werden immer mehr Terrorismus nach Europa bringen. Sie sind der sichere Weg in die endgültige Katastrophe für uns alle: die militärische Konfrontation mit Russland und China.

Die Flüchtlingskrise in Syrien: Ursachen, Folgen und Perspektiven

Donnerstag, 16. März, 20 Uhr, im Hofbergsaal, Hofberg 7, Pfaffenhofen
Thema: Die Flüchtlingskrise in Syrien: Ursachen, Folgen und Perspektiven

Millionen Syrer haben in den letzten Jahren ihr Land verlassen, Hunderttausende von ihnen sind zu uns nach Deutschland geflohen. Für Syrien selbst und seine Zukunft ist das ein kaum verkraftbarer Aderlass.
Wie konnte es dazu kommen? Wer ist verantwortlich für den Bürger- und Stellvertreterkrieg, der bereits mehr als 300.000 Menschenleben gekostet hat? Was sind die ethnisch-religiösen und die geopolitischen Hintergründe der Flüchtlingskrise? Wie sieht die aktuelle Situation des Krieges in Syrien aus ? Gibt es Chancen für eine Friedenslösung und für Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat? Welchen Beitrag können wir als Bürger und die Friedensbewegung für Aussöhnung und Wiederaufbau in Syrien leisten?

Prof-Guenter-Meyer_Middle-East_3Unser Referent, Prof. Dr. Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt (ZEFAW) an der Universität Mainz. Als Wirtschafts- und Sozialgeograph hat er seit mehr als 40 Jahren zahlreiche Studien in arabischen Ländern durchgeführt, insbesondere in Syrien, Ägypten, Jemen und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen umfassen rund 200 Bücher und Artikel.
Prof. Dr. Günter Meyer ist Präsident der European Association for Middle Eastern Studies (EURAMES), des Dachverbandes der wissenschaftlichen Vereinigungen zum Studium des Vorderen Orients in 28 europäischen Ländern mit mehr als 3000 Mitgliedern. Außerdem ist er der Initiator und Vorsitzende des World Congress for Middle Eastern Studies (WOCMES), der bedeutendsten internationalen Konferenz zur Forschung im Nahen und Mittleren Osten sowie in der gesamten islamischen Welt, die alle vier Jahre stattfindet. Als erstem europäischen Wissenschaftler wurde ihm von der Middle East Studies Association of North America (MESA) der Jere-Bacharach Award verliehen, die weltweit höchste Auszeichnung für herausragende Leistungen im Bereich der internationalen Orientforschung.

Konzert für den Frieden mit AEHAM AHMAD

Sonntag, 30. April, 20 Uhr, im Festsaal des Rathauses:
Konzert für den Frieden mit AEHAM AHMAD
Der Pianist aus dem Flüchtlingslager Jarmuk

Aeham Foto 2Aeham Ahmad stammt aus Jarmuk, einem großen Stadtteil und palästinensischen Flüchtlingslager in Damaskus. Es war im aktuellen Krieg in Syrien immer wieder Zentrum schwerster Kämpfe. Weltberühmt wurde Aeham Ahmad durch sein Klavierspiel mitten in den Trümmern des weitgehend zerstörten Lagers Jarmuk. Der 1988 geborene Musiker spielte auf einem Klavier, das er für seine Auftritte auf einem Wasserwagen durch die zerbombten Straßen fuhr. Er wollte vor allem den Kindern und Jugendlichen Hoffnung geben und vertonte zunächst Texte seiner Freunde mit einfachen Akkorden und schwungvollen Refrains. Aber auch mit Beethoven, Bach sowie Chopin, Jazz oder Mozart und vielen selbst geschriebenen Liedern schenkte er den Menschen seiner Heimat mitten im Krieg und den Zerstörungen ein wenig Freude und Hoffnung.
Seit seinem fünften Lebensjahr hatte Aeham Ahmad Klavier spielen gelernt. Sein Vater, ein Instrumentenbauer, gab ihm den ersten Unterricht. 2005-2007 studierte er am Konservatorium in Damaskus und anschließend von 2007 bis 2011 an der musikalischen Fakultät der Baath-Universität in Homs. 2011 musste Aeham Ahmad sein Studium wegen des beginnenden Krieges abbrechen und kehrte nach Yarmuk zurück. Nachdem Dschihadisten des IS, für die klassische Musik eine Sünde ist, sein Klavier vor seinen Augen verbrannten, floh er über die Balkanroute nach Deutschland. Seine ersten Auftritte hatte Aeham Ahmad im Oktober 2015 bei einem Konzert für Flüchtlinge und ehrenamtlichen Helfern in München. Inzwischen hat er sein Publikum mit seiner Musik und seinen Liedern bei bereits mehr als 200 Konzerten in Deutschland und Italien begeistert.

2015 wurde Aeham Ahmad mit dem Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit,
Armutsbekämpfung und Inklusion ausgezeichnet.

Veranstalter: „Freundschaft mit Valjevo e.V.“
Eintritt an der Abendkasse 10 EUR, Ermäßigung für Schüler, Studenten und Arbeitslose 5 EUR.