Solidarität und Völkerverständigung:

Gastfamilien für serbische Schüler gesucht

Am Sonntag, den 23. Juni, treffen 12 Schüler aus der serbischen Stadt Valjevo mit ihren beiden Deutschlehrerinnen Dusica Rajevac und Ivana Vujic in Pfaffenhofen ein. Begleitet werden sie von der Journalistin und Leiterin von Radio Valjevo Milena Kuzmanovic. Für die Schüler im Alter von 16-18 Jahren suchen wir jetzt Gasteltern, bei denen die Schüler für eine Woche wohnen können. Alle Schüler lernen Deutsch als Fremdspreche.

DSCN3764Seit dem Ende des Nato-Luftkrieges 1999 gegen Jugoslawien lädt unser Verein jedes Jahr Schüler aus der damals mehrfach schwer bombardierten serbischen Stadt Valjevo nach Pfaffenhofen ein. Für eine Woche organisieren wir für diese Jugendliche ein abwechslungsreiches und informatives Programm mit Tagesausflügen nach München, Ingolstadt , Regensburg, Nürnberg und in die Natur, damit sie unser Land ein wenig kennenlernen, ihre Sprachkenntnisse verbessern und Kontakte knüpfen können. Zu diesen Ausflügen nehmen wir auch junge Asylbewerber, Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan und aus afrikanischen Ländern, mit.

Die Jugendlichen aus Valjevo besuchen in ihrer Heimat das Gymnasium bzw. eine der berufsvorbereitenden Mittelschulen. Von ihren Schulen wurden sie wegen besonderer Leistungen für die Reise nach Pfaffenhofen ausgewählt.

Serbien hat sich vom lange Jahre andauernden Wirtschaftsembargo und den schweren Zerstörungen durch die Bombardements der Nato 1999 nicht erholen können. Eine Entschädigung für ihren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg haben die Nato-Staaten bis heute nicht geleistet. Serbien ist deshalb ein bitterarmes Land mit hoher Arbeitslosigkeit und vielen sozialen Problemen. Der monatliche durchschnittliche Nettolohn liegt unter 350 EUR.

Seit dem Jahre 2000 konnten mit Hilfe unseres Vereins über 300 Jugendliche aus Valjevo jeweils für eine Woche unsere Stadt besuchen.

Familien, die die Möglichkeiten haben, Jugendliche in der Woche vom 23.-30. Juni bei sich aufzunehmen und bei diesem Projekt mithelfen möchten, können sich bei Bernd Duschner (0171- 3374658) oder Uli Wandersleb (08441-83157) melden.

Die Händler des Todes – ihre Politiker – ihre Opfer

“Schwarzbuch Waffenhandel”

Wie deutsche Banken + Industrie am Krieg verdienen

Jürgen Grässlin, Pädagoge, Sachbuchautor, Friedensaktivist, Aachener Friedenspreis 2011

Jürgen Grässlin, Pädagoge, Sachbuchautor, Friedensaktivist, Aachener Friedenspreis 2011

Politik, Industrie, Banken – wer profitiert vom Krieg? Unsere Politiker beschwören den Frieden und betreiben den Krieg: Deutschland ist inzwischen der weltweit drittgrößte Waffenexporteur – und schreckt selbst vor Lieferungen an verbrecherische Regime und Diktatoren nicht zurück. In seinem soeben erschienen Buch „Schwarzbuch Waffenhandel“ deckt Jürgen Grässlin auf, wer die Profiteure dieser Kriegswirtschaft sind. Er nennt Industrieunternehmen beim Namen, er zeigt, wer in der Politik die Exporte genehmigt und wie die Banken alles finanzieren. Hochbrisante Fakten, profund recherchiert – ein Augenöffner, der zeigt, wie tief unser Land in die globale Tötungsmaschine verstrickt ist.

 

Samstag, 8.Juni 2013, 19 Uhr 30
Saal St. Franziskus-Heim, Türltorstrasse 9
Eintritt 6 EUR, Arbeitslose und Schüler frei

Im Lager der Unerwünschten

Auszug aus dem Buch “Schamland” von Stefan Selke

Der Soziologe Dr. Stefan Selke ist Professor an der Hochschule Furtwangen. Seit 2006 beschäftigt er sich mit der modernen Armenspeisung in Suppenküchen und bei Tafeln. Er “kritisiert, dass die Politik den Sozialstaat immer mehr beschneidet und dessen im Grundgesetz verankerte Aufgaben an ehrenamtliche und private Organisationen delegiert. Tafeln, Suppenküchen, Kleiderkammern und Co. wurden so zum Motor einer neuen Armutsökonomie. Während die Mildtätigen sich selbst feiern, werden die Empfänger zu Menschen zweiter Klasse degradiert.”

In seinem soeben im Econ-Verlag erschienen neuen Buch “Schamland. Die Armut unter uns”, Preis 18 EUR, berichtet Stefan Selke auch über seinen Besuch 2011 in einer bayerischen “Sammelstelle für Asylbewerber”. Nachstehend der Auszug aus diesem Buch.  Wir bedanken uns bei Autor und Verlag, die uns den Abdruck genehmigt haben.

Schamland
Die Armut mitten unter uns

Im Lager der Unerwünschten

Schamland. Die Armut mitten unter unsEssen ist ein Ritual, Nahrungsmittel sind auch Symbole und beides zusammen Politik. Der vorhandene oder nicht vorhandene Zugang zum Lebensnotwendigsten ist Ausdruck gesel1schaftlicher Teilhabe oder der Verhinderung dieser Teilhabe.
An keinem anderen Ort wird Teilhabe so systematisch verhindert wie in Sammelstellen für Asylbewerber.
Inmitten der wunderschönen bayerischen Frühjahrsidylle besichtige ich eine solche Sammelstelle, Von den dort lebenden Menschen nur »das Lager« genannt. Das Lager befindet sich in einer ehemaligen Kaserne. Vom Schloss der Stadt aus ist man in ein paar Minuten zu Fuß dort. Wenn man möchte. Aber wahrscheinlich verirren sich nur sehr wenige Touristen in diesen Teil der Stadt, ins Lager, dorthin, wo die Lebensreisen von rund 500 Menschen vorläufig enden. Es ist ein Un–Ort, den man besser verdrängt, vergisst oder einfach meidet. Am Rande des halb verfallenen Spiel- und Bolzplatzes, der an den Stirnseiten von Fußballtoren ohne Netze begrenzt wird, stehen große Müllcontainer und zwei sonderbare Bäume.
Mächtige Bäume irgendwann einmal, Pappeln vielleicht, aber ohne Äste oder Blätter. Alles, was wachsen kann, wurde abgesägt. Die Bäume bestehen allein aus ihrem Stumpf. Man kann nur hoffen, dass sie in diesem Zustand überhaupt lebensfähig sind. Sie sehen nicht aus wie Bäume, eher wie Skulpturen — eine Metapher für das Leben im Lager. Nichts soll b1ühen,nichts darf wachsen. Überleben ja. Leben nein. Im Lager der Unerwünschten werden nach den Regeln einer kaum nachvollziehbaren geopolitischen Logik die Biographien der dort befindlichen Menschen verstümmelt. Weiterlesen »

Wie bayerische Ausländerbehörden Menschen zerstören

Das Martyrium des Cliff Oase im “Lager” Neuburg a.d.Donau

Gibt es bei bayerischer Regierung und Behörden Rassismus? Werden bei uns gegenüber Asylbewerbern elementarste Grundregeln des Anstandes und der Menschlichkeit missachtet? Bei solchen Fragen muss ich an die Flüchtlinge in der “Sammelunterkunft für Asylbewerber” in Neuburg a. d. Donau denken. Einige dieser Asylbewerber sind bereits seit über 15 Jahren gezwungen, ohne Arbeitserlaubnis und ohne jedes Bargeld vor sich hinzuvegetieren. Ohnmächtig müssen sie zu sehen, wie sie physisch und psychisch kaputtgehen.

DSCN1184 (1024x768)Regelmäßig einmal im Monat bringt unser Verein “Freundschaft mit Valjevo e.V” Lebensmittel für Kleinkinder in das “Sammellager für Asylbewerber” nach Neuburg. Dazu organisieren wir mit ihnen Ausflüge. Bei einem solchen Besuch in Neuburg habe ich vor 4 Jahren Cliff Oase kennengelernt. Die “Sammelunterkunft für Asylbewerber” ist nur wenige Hundert Meter vom Stadtzentrum entfernt. Die rund 450 Asylbewerber, unter ihnen 60 Kinder, sind auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne in nur 5 Gebäuden untergebracht. Sie leben in äußerst beengten Verhältnissen: ein einziges Zimmer muss jeweils einer ganzen Familie mit ihren Kindern oder 2-4 Einzelpersonen als “Wohnung” genügen. Die hygienischen Verhältnisse sind bedrückend: Dutzende von Menschen haben sich Dusche und Toiletten gemeinsam zu teilen. Eine Privatsphäre, wohin sie sich zurückziehen könnten, gibt es für keinen der Bewohner. Auf dem gesamten Areal, dem “Lager”, wie es die Asylbewerber bezeichnen, gibt es keinen einzigen Gemeinschaftsraum, wo man sich treffen und austauschen könnte. Die Isolierung der Einzelnen ist gewollt. Sie macht die Flüchtlinge wehrlos. Die Ausgrenzung, die Machtlosigkeit gegenüber den Behörden, die Perspektivlosigkeit und die Angst vor Abschiebung, das alles schafft Aggressionen, die sich immer wieder unter den Flüchtlingen entladen. Cliff ist einer der Bewohner dieses “Lagers”. Er ist heute 30 Jahre alt. Sein Heimatdorf lag im Distrikt Gulu in Uganda, im Grenzgebiet zum Sudan.

Cliff Oase

Cliff Oase

Cliff gehört zur Volksgruppe der Acholi. 2003 kam er nach Deutschland und hat wie die meisten Asylbewerber in Folge der äußerst restriktiven Asylgesetzgebung keine Anerkennung erhalten. Zwar forciert die Bundesregierung weltweit immer stärker Waffenexporte und militärische Interventionen. Für die Folgen dieser Politik, die wachsende Zahl an Flüchtlingen aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten, will sie jedoch nicht aufkommen. Asylbewerber sollen möglichst schnell und ohne Aufsehen wieder abgeschoben werden. Das “Lager” mit seiner düsteren und bedrückenden Atmosphäre macht den Asylbewerbern deutlich, dass sie nicht willkommen sind, nicht dazu gehören und hier keine Perspektive haben.

DSCN1190 (1024x768)Seit 10 Jahren muss sich Cliff mit einem weiteren Kollegen ein 14 qm großes Zimmer im Gebäude “Block B” der “Unterkunft” teilen. Die bayerische Regierung spricht gerne von Integration, um die sich unsere ausländischen Mitbürger bemühen müssten. Cliff hat wie die meisten Flüchtlinge im “Lager” bis heute keinen Deutschkurs erhalten. Das spart der bayerischen Regierung Geld und verhindert, dass die Asylbewerber selbst ihre wenigen Rechte wahrnehmen können. Cliff verständigt sich auf Englisch. Die Sprache hat er beim Zusammenleben mit den anderen afrikanischen Asylbewerbern gelernt. In seinem Ausweis mit dem Aufdruck “Geduldeter” ist klar und unmissverständlich für jedermann zu lesen, dass er in der “Sammelunterkunft” zu wohnen hat und ihm “Erwerbstätigkeit nicht gestattet” ist. Cliff darf nicht arbeiten, um sich seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Als Verpflegung erhält er seit Jahren ausschließlich die immer gleichen Essenspakete. Von den Flüchtlingen werden sie als entmündigend und zutiefst demütigend empfunden. Sie sind verhasst. Im “Lager Neuburg” werden die Essenspakete jeden Dienstag und Donnerstag zwischen 7 Uhr 30 und 9 Uhr 30 ausgegeben. Wer zu spät kommt oder den Termin versäumt, für den kennen die Zuständigen kein Pardon: Der bekommt eben nichts. Für Cliff und die Betroffenen bedeutet das, ein paar Tage zu hungern oder bei Freunden um Essen zu betteln. Wer von den Asylbewerbern in dieser Situation vor einem Schaufenster mit verlockenden Waren in der Innenstadt Neuburgs “durchdreht” und sich aus Laden etwas mitnimmt, landet sehr schnell für mehrere Monate im Knast. Zwar wurde aufgrund der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes vom 18. Juli 2012 das monatliche Taschengeld für Asylbewerber von bisher menschenverachtenden 40 EUR 90 auf 137 EUR erhöht. Der Barbetrag soll Asylbewerbern ein Mindestmaß an Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Auch sie sollen wie jeder andere Mensch wenigstens gelegentlich auf einen Kaffee, zu einer Sportveranstaltung, ins Kino gehen, sich etwas Eigenes kaufen können. Das bayerische Landessozialgericht hat mit seinem Beschluss vom 24. Januar 2013 klargestellt, dass dieses Taschengeld nicht zu Sanktionszwecken gekürzt werden darf. Aber sind Afrikaner Menschen? Cliff jedenfalls – und er ist bei weitem nicht der einzige Fall im “Lager” Neuburg – verweigert das zuständige Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen bereits seit vielen Jahren jedes Bargeld. Kann man sich vorstellen, welche Ausgrenzung, welche Demütigung es bedeutet, sich niemals eigenes Essen, niemals eigene Kleidung kaufen, niemals in ein Lokal gehen zu können? Mittlerweile hat die dortige Sozialhilfeverwaltung zynisch entschieden, Cliff neben den obligatorischen 16 EUR 11 für Gesundheits- und Körperpflegeartikel (Seife, Shampoo, Zahnbürste und Zahncreme werden im Lager nicht gestellt) zumindest 5 EUR 91 (fünf EUR 91!) monatlich als Taschengeld zu gewähren.

DSCN1187 (1024x768)Die Regierung von Oberbayern und das Neuburger Landratsamt „rechtfertigen“ die Streichung des Taschengeldes, mit der Behauptung, Cliff, würde nicht genügend bei der Beschaffung seiner Identitätspapiere mitwirken. Er war in der ugandischen Botschaft. Ein Nachweis seiner Identität ist Cliff jedoch nicht möglich. Er hat keine Familienangehörigen und Bekannten mehr in Uganda. Sein Heimatdistrikt Gulu war ab Mitte der 80er Jahre für mehr als zwei Jahrzehnte Schauplatz eines äußerst blutigen Bürgerkrieges zwischen den Truppen der Zentralregierung und Rebellen im Norden des Landes. Auf beiden Seiten wurden Zehntausende Heranwachsende als Kindersoldaten zwangsrekrutiert. Um den Widerstand der Rebellen zu brechen, errichtete der ugandische Machthaber Museveni Konzentrationslager, in die nahezu die gesamte Bevölkerung der Acholi und Langi, nach UN Angaben zwischen 1, 4 und 1,8 Millionen Menschen, deportiert wurde. Tausende starben, bevor diese Lager 2009 endgültig aufgelöst wurden. Bis heute besteht die Bevölkerung von Gulu deshalb zum großen Teil aus Binnenflüchtlingen.

Cliff ist schwer traumatisiert: Er wuchs als einziges Kind bei seiner Mutter auf. Seinen Vater hat er nie kennen gelernt. Mit 14 Jahren wurde Cliff zusammen mit 20 Jungen und Mädchen seines Dorfes von Rebellen entführt. Sie bildeten ihn an Waffen aus, zwangen ihn, bei Kämpfen, Plünderungen und Morden mitzumachen. Nach schrecklichen 4 Jahren als Kindsoldat, gelang ihm die Flucht in sein Heimatdorf. Dort fanden ihn die Rebellen. Sie misshandelten ihn, töteten vor seinen Augen seine Mutter und brannten ihr Haus nieder. Cliff konnte entkommen. Es folgten lange Monaten auf der Flucht, in denen er sich von Abfällen auf Müllplätzen und von Erbetteltem ernährte. Ein Geschäftsmann nahm sich seiner an, brachte ihn 2003 nach Deutschland und setzte in ab. Ein neuer Abschnitt seines Martyriums begann.

Cliff muss heute ständig Antidepressiva zu sich nehmen. Er klagt über Kopfschmerzen, extreme Schlafstörungen und Alpträume. “Exilio e.V” in Lindau hat im Dezember 2012 ein psychologischen Fachgutachten erstellt. Die Diagnose: Eine „sehr schwere posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS) und „depressive Symptomatik in Form von Stimmungseinbrüchen, Antriebsminderung und sozialen Rückzug“ . Cliff hat trotz seiner Vorgeschichte seit seiner Ankunft in den 10 Jahren in Deutschland weder eine ambulante noch eine stationäre psychiatrische Behandlung erhalten. Die Danuvius Klinik in Neuburg, Fachklinik für Psychische Erkrankungen, hat dem Neuburger Landratsamt im Februar 2013 ein ärztliches Attest vorgelegt und zur Aufarbeitung seiner traumatischen Erlebnisse eine Traumtherapie für Cliff bei „Exilio“ ausdrücklich befürwortet. Völlig unbeeindruckt hat das Landratsamt Neuburg die Kostenübernahme für die beantragte Psychotherapie mit Brief vom 25.3.2013 an Cliff abgelehnt. Er hatte sich Hoffnungen gemacht. Unter Bezugnahme auf $4 AsylbLG, der die medizinische Versorgung für Asylbewerber regelt, heißt es wörtlich in dem Schreiben: “Es besteht kein Anspruch auf eine optimale und bestmögliche Versorgung. Der Leistungsumfang erstreckt sich lediglich auf die im Einzelfall unbedingt notwendigen Maßnahmen. Eine akute Erkrankung bzw. ein akuter Schmerzzustand liegen in ihrem Fall nicht vor.”

Obwohl sie wissen müssen, dass Cliff im Norden Ugandas die für ihn erforderliche ärztliche Versorgung nicht erhalten kann und ohne jede Lebensperspektive wäre, treiben oberbayerische Regierung und das Neuburger Landratsamt die Abschiebung von Cliff voran. Mit Schreiben vom 5. April 2013 verlangt das Landratsamt von ihm, sich schnellstens bei der Botschaft von Uganda die Papiere zu besorgen, die für seine Abschiebung benötigt werden. Cliffs Gesundheitszustand hat sich in den letzten Monaten rapide verschlechtert. Er könnte Kosten verursachen, noch schlimmer, sein Fall – nicht der einzige dieser Art in Neuburg – könnte in der breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Was zählen dagegen Menschlichkeit und Menschenrechte?

Bernd Duschner

PS: Zur finanziellen Unterstützung seiner Arbeit für Asylbewerber in der “Sammelunterkunft Neuburg” bittet der Verein “Freundschaft mit Valjevo e.V.” um Spenden auf sein Konto 8011991 bei der Sparkasse Pfaffenhofen, BLZ 72151650, Stichwort “Cliff Oase”.

Kontaktaufnahme: 0171-3374658 Bernd Duschner.

Sich nicht gegenseitig Probleme schaffen, sondern die Probleme gemeinsam lösen

Muslimische Theologin R. Müller sprach im überfüllten Hofbergsaal

CIMG2590 (1024x768) Knapp 100 Zuhörer konnte Bernd Duschner am vergangenen Sonntag zur Veranstaltung der “Freunde von Valjevo” mit der muslimischen Theologin Rabeya Müller im Hofbergsaal begrüßen. In seiner Eröffnung bedankte er sich bei den muslemischen Mitbürgern, die mit ihrer Arbeit und ihrer Teilnahme am gesellschaftlichen Leben unsere Stadt bereichern. Er begrüßte ausdrücklich den Bau einer Moschee in Pfaffenhofen.

Der Islam baut wie das Christentum auf der hebräischen Bibel auf. Mit Christen und Juden, so Rabeya Müller, haben die Muslime den Glauben an einen einzigen allmächtigen Gott als Schöpfer der Welt gemeinsam. Das arabische Wort für Gott istCIMG2597 (1024x768) Allah. Es sei der gleiche Gott, zu dem auch Christen und Juden beteten. Der Koran betone, dass Gott den Menschen unendlich nahe sei und für ihn Gerechtigkeit und Barmherzigkeit stets zusammengehörten. Sich selbst als etwas Besseres als andere zu halten, sei es wegen des eigenen Geschlechtes, der gesellschaftlichen Stellung oder der Volkszugehörigkeit, bezeichne der Koran als “satanisches Prinzip” und werde von ihm scharf verurteilt. Viele biblische Erzählungen, wie z.B. von der Vertreibung der Menschen aus dem Paradies, finden sich auch im Koran. Allerdings essen dort Mann und Frau gemeinsam vom Baum der Erkenntnis und machten sich im gleichen Maße schuldig. Weil Gott den Menschen vergeben habe, gibt es jedoch für Muslime keine Erbsünde. Die Passion, die Kreuzigung Christi zur Tilgung dieser Schuld, lehnt der Islam folglich ab. Abraham, Moses, Jesus und Mohammed sind für Muslime Propheten Gottes, die sie tief verehren, allerdings nur Menschen, die auch Fehler begehen können.

In der Diskussion machte Rabeya Müller deutlich, wie wichtig es sei, nicht einzelne Stellen des Koran aus ihrem Kontext zu reißen und zu zulassen, dass sie von engstirnigen Salafisten mißinterpretiert werden. Wie sie überzeugend zeigte, finden sich im Koran viele Hinweise und Argumente für ein friedliches gleichberechtigtes Zusammenleben von Mann und Mann, von Muslimen und Andersdenkenden. Ob muslimische Frauen als Zeichen der Verbundenheit mit ihrem Glauben ein Kopftuch tragen, sollten allein sieIMG_20130428_200901 (1024x768) entscheiden. Eine große Belastung für Muslime sei es, so Rabeya Müller, wenn von interessierter Seite immer wieder versucht werde, den Islam mit den terroristischen Taten Einzelner in Verbindung zu bringen. Hinter solcher Hetze, so Bernd Duschner, steckten letztlich ausländerfeindliche Motive, die ein friedliches Zusammenleben und Verständigung verhindern sollten. Das sei genauso abwegig, wie den christlichen Glauben für Angriffskriege wie gegen den Irak oder beispielsweise die Verbrechen der NSU verantwortlich zu machen.

In ihrem Schlußwort forderte Rabeya Müller, wir sollten uns als Bürger nicht gegenseitig Probleme machen, sondern die Probleme gemeinsam lösen.