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„In einem besetzten Land gibt es keine Demokratie, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit“

Malalai Joya
Malalai Joya, Bild: de.wikipedia.org

Am Samstag, den 11.Februar 2011 sprach die afghanische Friedenskämpferin Malalai Joya in Pfaffenhofen bei „Freundschaft mit Valjevo e.V. über die Lage in ihrem Heimatland nach 10 (!) Jahren Besatzung durch US- und Natotruppen.

Seit über 30 Jahren herrscht in Afghanistan Krieg. Ende der 70er Jahre hatten die USA fundamentalistische islamististische Mudschahedin bewaffnet und finanziert, um die damals in Kabul regierende mit Moskau verbündete Linksregierung zu stürzen. 1992 konnten die Mudschahedin nach vielen Jahren blutiger Kämpfe die Macht übernehmen, die sie allerdings bereits 1996 an die Taliban verloren. Als Verbündete der USA konnten die Mudschahedin („Nordallianz“) nach der amerikanischen Intervention 2001 wieder an die Regierung in Kabul zurückkehren.

In ihrem Vortrag zog Malalai Joya eine Bilanz der letzten 10 Jahre seit Afghanistan von US- und Nato-Truppen besetzt ist. Laut Malalai Joya sind die heute in Kabul regierenden Mudschahedin, Warlords und Drogenbarone um Hamid Karzai genauso wie die rivalisierenden Taliban islamistische Fundamentalisten und Feinde jeder Demokratie und jeglicher Frauenrechte. Die Besetzung durch USA und Natotruppen und die durch sie betriebene Ausweitung des Krieg hätten zu einem ständig wachsenden Blutvergießen, Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen geführt. Zehntausende Zivilisten hätten infolgedessen ihr Leben verloren. Die von den Natostaaten gewährte Wiederaufbauhilfe verschwinde zum größten Teil in den Taschen der völlig korrupten Regierung aus Warlords und Drogenbaronen. Gleichzeitig litten große Teile der Bevölkerung an chronischer Unterernährung, lernten immer weniger Menschen Lesen und Schreiben, gäbe es keinerlei Sicherheit. Speziell für die Frauen habe sich die Situation dramatisch verschlechtert: Entführungen, Vergewaltigungen, Angriffe mit Säuren und häusliche Gewalt nähmen ständig zu. In den 10 Jahren der Besatzung sei Afghanistan zum wichtigsten Opiumanbaugebiet der Welt geworden. Während US Stellen und Drogenbarone am Opiumhandel Milliarden verdienten, seien Millionen Menschen in Afghanistan drogenabhängig geworden. Malalai Joya warf USA und Natostaaten vor, in Afghanistan ausschließlich ihre eigenen militärischen und geostrategischen Interessen zu verfolgen und deshalb jegliche Verbrechen der mit ihnen verbündeten Karzai Regierung aus warlords und Drogenbarone zu tolerieren. Die Ankündigung von USA und Nato,sich Mitte 2014 aus Afghanistan zurückzuziehen, ziele nur darauf, die Öffentlichkeit zu täuschen. Tatsächlich wollten sie das Land auch weiter besetzt halten. Mit Hilfe des forcierten Aufbaus der afghanische Armee und Polizei, die ihnen als Kanonenfutter dienen sollen, hofften sie mit weniger eigenen Verlusten die Kontrolle über Afghanistan zu behalten.

Malalai Joya forderte dagegen den vollständigen Abzug aller ausländischen Truppen. Drogenbarone und Warlords würden dadurch ihre Hauptstütze verlieren. Eine Rückkehr der Taliban an die Macht würde die afghanische Bevölkerung nach ihrer Auffassung nicht zulassen. Die Geschichte, so Malalai Joya, zeige, dass Nationen sich nur selbst befreien könnten. Demokratie und Gerechtigkeit könnten nicht durch fremde Mächte von außen hergestellt werden.

Siehe auch Interview mit Malalai Joya im Donaukurier: „Die Besatzer müssen raus“

Die Veranstaltung fand am Samstag den 11. Februar, 19 Uhr 30 in der Gaststätte Stegerbräu, Ingolstädter Strasse 13, in 85276 Pfaffenhofen statt.

Afghanistan nach über 10(!) Jahren Nato-Krieg und Besatzung

Referentin : Malalai Joya
Abgeordnete des afghanischen Parlaments 2005 bis 2007
Frauenrechtlerin und Friedenskämpferin

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