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Libyen nach der Intervention der Nato

Freitag, 29. Juni 2012, 19 Uhr 30, im Hofbergsaal, Pfaffenhofen

Fritz Edlinger, Generalsekretär der „Gesellschaft für Österreichisch – Arabische Beziehungen (GÖAB)“, berichtet von seiner Reise mit einem Ärzteteam in das nordafrikanische Land

Mit einem größeren Team von Ärzten, Psychologen und Krankenpflegern hat der Generalsekretär der renommierten Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen Fritz Edlinger vom 3.-12. Mai Libyen besucht. Am kommenden Freitag, den 29 Juni, 19 Uhr 30, kommt Edlinger nach Pfaffenhofen und wird im Hofbergsaal über diese humanitäre Aktion und die aktuelle Situation in dem nordafrikanischen Land berichten. Der Bürgerkrieg in Libyen mit seinen Zehntausenden Toten hat die Nachrichten im vergangenen Jahr beherrscht. Am Sturz der Regierung Gaddafi hatte die Nato mit monatelangen schweren Bombardierungen, englische und französische Spezialeinheiten sowie Truppen aus Katar entscheidend mitgewirkt. In welcher Situation befindet sich heute die Bevölkerung in dem nordafrikanischen Land? Wie steht es um ihre Sicherheit, ihre tägliche Versorgung, das Gesundheits- und Bildungswesen? Die bisherigen staatlichen Strukturen und Verwaltung wurden bekanntlich weitgehend zerstört. Immer wieder sind Meldungen zu lesen von blutigen Auseinandersetzungen zwischen den rivalisierenden Milizen. Welche Macht hat überhaupt die neue libysche Regierung und welche Bedeutung haben jetzt islamistische Kräfte in dem früher laizistischen Staat? Was wurde erreicht hinsichtlich Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, die angeblich das Ziel des militärischen Eingreifens waren? „Ärzte ohne Grenzen“ haben ihre medizinische Arbeit aus Protest gegen die andauernde Folterpraktiken in Libyen eingestellt. Viele Berichte sprechen von einer systematischen Jagd auf schwarze Afrikaner.
Fritz Edlinger zählt zu den besten Kennern der arabischen Welt. Er hat an der Universität Wien Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaften studiert und diverse politische Funktionen in der SPÖ innegehabt. Viele Jahre ist er bereits als Generalsekretär der Gesellschaft für Österreichisch – Arabische Beziehungen (GÖAB) tätig. Die GÖAB, zu deren Mitgliedern einer Reihe der prominentesten österreichischen Politikern gehören, sieht es als ihre Aufgabe, Informationen über Kultur, Wirtschaft und Politik der arabischen Staaten zugänglich zu machen und das Verständnis für die arabische Welt zu vertiefen. Fritz Edlinger ist Herausgeber der Zeitschrift INTERNATIONAL und hat eine Reihe von Büchern veröffentlicht, darunter „Befreiungskampf in Palästina“ und „Libyen. Hintergründe, Analysen, Berichte“. Veranstalter von Vortrag und Diskussion mit Fritz Edlinger ist der Verein „Freundschaft mit Valjevo“. Der Eintritt kostet 6 EUR, für Schüler und Arbeitslose ist er frei.

Ein Zeichen der Verbundenheit mit dem libyschen Volk

Erfolgreiche Aktion eines österreichischen Ärzteteams
Hilfe aus der Friedensbewegung für libysche Kinder

Der Krieg in Libyen ist für Washington, London, Paris und ihre Verbündeten vorbei. Sie haben ihr Ziel, die seit langem geplante Beseitigung einer nicht gefügsamen Regierung in dem ölreichen und strategisch wichtigen Land erreicht. Seitdem ist Libyen kein Thema mehr für unsere Medien. Die Zehntausenden Toten und Verletzten, die Folgen der monatelangen schweren Bombardements der Nato und des zielstrebig von außen befeuerten Bürgerkrieges für die betroffene libysche Bevölkerung interessieren unsere Politiker und Medien nicht. Über die Rolle der „Spezialkräften“ aus Natostaaten und der Truppen aus Katar bei diesem „Regimewechsel“ schweigen sie.

Vom 3.- 12 Mai hat die „Gesellschaft für Österreichisch- Arabische Beziehungen“ ein 30 köpfiges Team, unter ihnen viele Ärzte, OP Helfer, Krankenpfleger und Psychologen unter Leitung ihres Generalsekretärs Fritz Edlinger, in das nordafrikanische Land geschickt. Dank großzügiger Sach – und Geldspenden konnten wir ihre humanitäre Aktion mit 21 Paletten Lebensmittel für Kleinkinder unterstützen. Sie wurden mit einem gesonderten Container nach Libyen geschickt. Ihre Verteilung an bedürftige Familien im Süden des Landes hat der Partner der „Österreicher“, die libysche Hilfsorganisation WAFA („We are for all“), übernommen. Bei allen Spendern, die uns diese Hilfe ermöglichten, möchten wir uns herzlich bedanken.

Krieg und Bürgerkrieg haben, wie Teilnehmer der Reise berichten, in Libyen tiefe Spuren hinterlassen. Immer wieder stößt man auf zerschossene Gebäude, zerstörtes Kriegsmaterial und Wracks von Fahrzeugen. Die Wirtschaft des Landes steht weitgehend still. Viele der vor Kriegsbeginn noch begonnenen großen Bauvorhaben wurden eingestellt. Die Arbeitslosigkeit, gerade unter Jugendlichen ist extrem hoch. Während zahlreiche Menschen als Folge des Krieges an schweren Verletzungen und Erkrankungen leiden, befinden sich Krankenhäuser und medizinische Versorgung in einer dramatischen Notlage: Die frühere Regierung Gaddafi hatte viele Fachkräfte, so auch Ärzte und Pflegepersonal aus osteuropäischen und asiatischen Ländern nach Libyen geholt. Sie haben das Land verlassen. Die eigenen libyschen Ärzte können diese Lücke bei weitem nicht schließen. Das österreichische Ärzteteam, das mit seinen Helfern in Krankenhäusern in Bengazi und der südlich von Tripolis gelegenen Bezirkshauptstadt Gharyan tätig war, führte deshalb neben Operationen, Behandlungen und psychologischen Beratungen auch Trainings- und Fortbildungsmaßnahmen für ihre libyschen Kollegen und deren Personal durch. In den Krankenhäuser, berichten sie, gibt es einen gravierenden Mangel an medizinischen Verbrauchsmaterial und Medikamenten. Deren Verteilung hatte vor dem Krieg der Staat geregelt. Die alten staatlichen Strukturen und Verwaltung aber sind zerschlagen worden, ohne dass es für sie bis heute adäquaten Ersatz gibt. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Großteil der libyschen Gelder nach wie vor im Ausland „eingefroren“ ist. Besonders problematisch ist die Sicherheitslage: nicht die „Regierung“ in Tripolis, sondern diverse bewaffnete Milizen beherrschen die einzelnen Städte. Zwischen diesen rivalisierenden Milizen kommt es immer wieder zu Gefechten. Überfälle auf Überlandstrassen gehören in dem Land, in dem heute fast jeder bewaffnet ist, zum Alltag. Gegen Anhänger der früheren Regierung gibt es härteste Repressalien. In Gesprächen mit Libyern werde immer wieder von „Strafexpeditionen“ gegen Orte berichtet, die während des Bürgerkrieges auf der Seite der früheren Regierung standen. Dies dürfte auch ein Grund sein, weshalb viele Fahrzeuge ohne Kennzeichen unterwegs sind. In den vergangenen Monaten haben Menschenrechtsorganisation wiederholt berichtet, dass Tausende Gaddafi Anhänger in „privaten“ Gefängnissen verschleppt wurden und brutalst gefoltert werden. Im Mai verabschiedete Gesetze besagen ausdrücklich, dass Libyen sich noch im „Kriegszustand“ befindet. Sie sehen Haftstrafen für jeden vor, der die frühere Regierung „glorifiziert“ und gleichzeitig komplette Straffreiheit für alle Verbrechen, die während der „Revolution“ begangen wurden.

Die libysche Bevölkerung braucht in dieser Situation unsere politische Solidarität, materielle Unterstützung und auch humanitäre Hilfe, wie sie das österreichische Team geleistet hat. Dabei wollen wir sie im Rahmen
unserer Möglichkeiten auch in Zukunft unterstützen. Ihre Verteilung an bedürftige Familien im Süden des Landes hat der Partner der „Österreicher“, die libysche Hilfsorganisation WAFA („We are for all“), übernommen. Bei allen Spendern, die uns diese Hilfe ermöglichten, möchten wir uns herzlich bedanken. Für Spendenbescheinigungen bitten wir sie, sich direkt zu wenden an  Bernd@Freundschaft-mit-Valjevo.de. Fritz Edlinger wird am Freitag, den 29. Juni, 19 Uhr 30,  nach Pfaffenhofen kommen und auf einer Veranstaltung unseres Vereins im Hofbergsaal in Pfaffenhofen ausführlich über diese Hilfsaktion der „Österreichisch-Arabischen Gesellschaft“ in Libyen berichten.

Aufruf gegen den NATO-Krieg in Libyen

Frieden für Libyen!
Solidarität mit dem libyschen Volk!

Seit dem 19. März bombardieren die USA und andere NATO-Staaten Tag für Tag und vor allem nachts die Millionenstadt Tripolis und andere Orte in Libyen. Zugleich versuchen sie, das libysche Volk durch Beschlagnahmung seiner Gelder und durch eine Hungerblockade gefügig zu machen. Die Aggressoren mißachten alle einschlägigen Bestimmungen des Völkerrechts (Verbot der Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates, Verpflichtung zu Konfliktlösungen auf dem Verhandlungswege, Verbot des Angriffskriegs usw.). Ihr Vorwand, sie wollten „Menschenleben retten“, ist angesichts der wachsenden Dauer ihres Bombenkrieges und der steigenden Opferzahlen absurd und zynisch. Springer- und andere Konzernmedien sowie auch die öffentlich-rechtlichen Sender schweigen jedoch über die Toten, die Verstümmelten, die Zerstörungen, das Flüchtlingselend, die Vergiftung der Böden mit Uranmunition.

Der Wüstenstaat, der unter seinem Revolutionsführer Muammar Al-Ghaddafi seiner Bevölkerung dank der Nationalisierung seines Ölreichtums den höchsten Wohlstand in Afrika mit unentgeltlichem Bildungs- und Gesundheitswesen, mit hochentwickelten Rechten für Frauen und Kinder bieten konnte, droht in seiner Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen zu werden. Wie in der Kolonialzeit selbstbewusst gewordene Sklaven vor den Augen ihrer Schicksalsgefährten öffentlich ausgepeitscht wurden, so wollen heute führende NATO-Staaten das libysche Volk, auch als Warnung für die Völker der Dritten Welt, mit Bomben, Raketen und gegebenenfalls militärischer Besetzung dafür bestrafen, dass es sich ihrem Diktat entzieht, seinen eigenen Entwicklungsweg geht, sich für die Einheit und Unabhängigkeit der arabischen Welt und Afrikas einsetzt und sich jeglicher Rekolonialisierung verweigert. Wir fordern die Bundesregierung auf, keine Nutzung deutscher Einrichtungen für die Aggression zu gestatten und sich konsequent einzusetzen für

  • sofortige Einstellung aller Angriffe auf Libyen,
  • sofortigen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen zwischen den libyschen Bürgerkriegsparteien,
  • Aufhebung der Handels- und Wirtschaftsblockade,
  • Rückgabe der beschlagnahmten libyschen Auslandskonten.

Es ist höchste Zeit, Solidarität mit dem libyschen Volk zu zeigen. Wir rufen alle, die sich für Frieden, Völkerrecht und Menschenrechte mitverantwortlich wissen und den Menschen der Dritten Welt verbunden fühlen, zu Protestaktionen und Demonstrationen auf: Dieser verbrecherische Angriffskrieg muss gestoppt werden.

 Erstunterzeichner:

Dr. Richard Albrecht, Autor & Editor; Dr. Friedrich-Martin Balzer, Histo­riker; Dr. Matin Baraki, Lehrbeauftragter; Hartmut Barth-Engelbart, Schriftsteller und Musiker; Hans Bauer, Rechtsanwalt, Vorsitzender der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung (GRH) e.V.; Elia Baz, Vorsitzender des Deutsch-Arabischen Freundeskreis e.V.; Rolf Becker, Schauspieler; Michaela von Behm; Ursula Behr-Taubert, Kunstmalerin mit Leyla Taubert; Prof. Dr. Wolfgang Beutin, Schrift­­steller, Privatdozent; Heide Beutin, Wissen­schafts­publizistin; Wolfgang Bittner, Schrift­steller; Volker Bräutigam, Publizist; Peter Braun, Bildhauer; Antonie Brink­mann; Arnold Bruns, Verleger; Elias Davidsson, Komponist und Völkerrechtler; Franz Josef Degenhardt, Musiker und Schriftsteller; Kai Degenhardt, Musiker; Micha­ela Dietl, Musikerin; Bernd Duschner, „Freund­schaft mit Valjevo“; Felix Eder, Über­setzer; Petra Finsterle, Club Voltaire München; Heinrich Frei; Dieter Frie­linghaus, Pfarrer; Prof. Dr. Klaus Fuchs-Kittowski, Informatiker; Dr. Dieter Götze; Fulvio Grimaldi, Journalist und Dokumentarfilmer; Dr. Wolf-Dieter Gu­dopp­-von Behm; Joachim Guilliard, Heidelberger Forum gegen Mili­tarismus und Krieg; Heinz-W. Hammer, Dipl. Soz. Pädagoge; Weiterlesen »

Fulvio Grimaldi „Maledetta Primavera“

Der Journalist und Dokumentarfilmer FULVIO GRIMALDI ist eine der markantesten Persönlichkeiten der italienischen Friedensbewegung. Er war als Kriegsberichterstatter für internationale Zeitungen in den letzten Jahrzehnten an allen Brennpunkten vor Ort: in Vietnam bei der Tet Offensive 1968, beim „Schwarzen September 1970“ in Jordanien, beim „bloody sunday“ 1972 in Irland, in Jugoslawien 1999, im Irak während des Embargos und nach dem Krieg, in Palästina und Gaza, in Mittel- und Südamerika, und aktuell in Libyen. Sein Ziel: Kriegspropaganda zu entlarven und  die Menschen bei uns für ein konsequentes Eintreten für Frieden und Solidarität an der Seite der angegriffenen Völker zu gewinnen. In mehreren anderen deutschen Städten wird er seinen Film „Maledetta Primavera“ über den Natokrieg gegen Libyen zeigen.

Sonntag, 16.10.2011, 19 Uhr
AUGSBURG, „Thalia Kino“, Obstmarkt 5
Veranstalter: Solidarisches und friedliches Augsburg
Ansprechpartner: Frana Feininger, 0821-525551und 0176-45505530

Montag, 17.10.2011, 19 Uhr 30
PFAFFENHOFEN,Hofbergsaal, Hofberg 7
Veranstalter: Freundschaft mit Valjevo e.V.
Ansprechpartner: Bernd Duschner, 0171-3374658 und 08441-789220

Dienstag, 18.10.2011, 19.30 Uhr
NÜRNBERG, „Villa Leon“,Bürgerzentrum Philipp Körber Weg
Veranstalter: Deutscher Freidenkerverband Nürnberg
Ansprechpartner: Birgit Ludwig,0911-5988175 + 01747406355

Mittwoch, 19.10.2011, 19 Uhr 30
HEIDELBERG,
Forum am Park, Poststrasse 11
Veranstalter: Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg
Ansprechpartner: Joachim Guilliard

Donnerstag, 20.10.2011, 18 Uhr 00
FRANKFURT,
Veranstalter: Deutscher Freidenkerverband +Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V.
c/o Gewerkschaftshaus Frankfurt
60329 Frankfurt a.M, Wilhelm-Leuschner-Straße 69-77 .
Ansprechpartner: Karl-Heinz Peil

Freitag,21.10.2011, 19 Uhr 30
KÖLN, „Friedensbildungswerk“ , Obermarspforten 7-11
Veranstalter : „Arbeiterfotographie“ und „Aachnener Friedenspreis“
Andreas Neumann: 0179-4984396, Anneliese Fikentscher 0179-4984424

Die amerikanische Besetzung Afrikas

Die serbische Zeitung „Vesti“ aus Frankfurt hat in ihrer Ausgabe vom 7. August 2011 ein Interview mit dem serbischen militärpolitischen Experten, Journalisten und Sachbuchautor Milovan Drecun veröffentlicht. Nachfolgend eine Übersetzung dieses Artikels.

Die amerikanische Besetzung Afrikas

Amerika spielt ein falsches Spiel mit Libyen: heimlich verhandeln die Amerikaner mit der Regierung in Tripolis und fordern die Beendigung der Zusammenarbeit mit europäischen, russischen und chinesischen Firmen. Danach würden diese Aufträge von Unternehmen aus den USA übernommen, behauptet der militärpolitische Analyst Milovan Drecun. Drecun hat vor kurzem Libyen besucht. Er wollte erfahren, ob neben dem Kampf zwischen Regierung und Aufständischen auch ein Krieg mittels der Medien geführt werde, wer Verbrechen begeht, wie stark der tatsächliche Rückhalt für Moamar Gaddafi ist, und wie die militärische Situation am Boden aussieht.

Antworten auf diese und viele weitere Fragen hat er in seinem Dokumentarfilm „Zabranjena istina“ – Verbotene Wahrheit – gegeben.

Glauben Sie, dass der Angriff auf Libyen aus wirtschaftlichen Interessen erfolgt?

Ich habe Informationen erhalten, dass China mit Libyen Verträge im Wert von 28 Milliarden, mit Russland im Wert von 17 Milliarden Dollar abgeschlossen hatte. Bedeutende Aufträge haben auch deutsche Firmen erhalten, während die Amerikaner weit zurückblieben.

Allein durch das Embargo und die Intervention der Nato wurden Investitionen gestoppt, die eine Größenordnung von 200 Milliarden Dollar erreichen. Sämtliche wirtschaftlichen Aktivitäten sind in Libyen zum Erliegen gekommen und jetzt wird seine Infrastruktur zerstört.

Sind das die einzigen Gründe?

Libyen liegt an einer 2000 Kilometer langen Mittelmeerküste und ist das geostrategisch wichtigste Land im südlichen Mittelmeer. Es besitzt die größten Ölreserven des schwarzen Kontinents. Hinsichtlich seiner Gasvorkommen steht es an dritter Stelle und hat einen unterirdischen Trinkwasserfluss. Der Westen fürchtete seine schnelle Entwicklung und die Stärke seines Einflusses. Libyen ist ein bedeutender Investor in den afrikanischen Ländern ist und propagiert die Befreiung des Kontinents aus seiner Abhängigkeit vom Westen.

Wie ist die wirtschaftliche Situation in Libyen?

Das Bruttosozialprodukt pro Kopf betrug vor der Intervention 13.800 Dollar. Es war damit mehr als doppelt so hoch wie in Ägypten und in Algerien. In der Zeit von 2001 – 2005 war Libyen wegen seiner niedrigsten Inflationsrate von –3,1% im Guinessbuch vertreten. Brot und die übrigen Lebensmittel waren bis zum Natoangriff wirklich billig gewesen, Transport- , Fahrtkosten und Treibstoff praktisch kostenlos. Jetzt nach dreifacher Erhöhung beträgt der Benzinpreis unglaubliche 6 Dinar pro Liter.

In welcher Hinsicht hätte Libyen Afrika befreit?

Libyen hatte geplant, etwa 100 Milliarden Dollar zu investieren, damit sich Afrika aus der Abhängigkeit von den westlichen Investoren befreien könnte. Gaddafi ist ein starker Befürworter der Schaffung eines afrikanischen Währungsfonds, der den Einfluss des Internationalen Währungsfonds beseitigt hätte. Er ist Befürworter der Einführung einer gemeinsamen afrikanischen Währung, die im Unterschied zum Dollar vollständig durch Gold gedeckt sein soll.

Wie stark Libyen finanziell war, ersieht man aus der Tatsache, dass es Katar, das sich jetzt an der Intervention der Nato beteiligt, 50 Milliarden Dollar geliehen hatte. Saudi Arabien schuldet ihm 12 Milliarden Dollar. Die westlichen Regierungen haben ungefähr 200 Milliarden Dollar libyscher Gelder bei ausländischen Banken eingefroren, um den Druck auf Gaddafi zu erhöhen.

Unbestreitbar ist, dass zur gleichen Zeit auch ein Krieg mit den Medien geführt wird.

Die Informationen waren von Anfang an widersprüchlich. Die Aufständischen können ihre Sichtweise in den westlichen Medien und Al Jazeera darlegen. Dagegen fällt auf, dass Stellungnahmen der offiziellen Stellen in Tripolis kaum erscheinen. Um mich gründlich zu informieren, habe ich deshalb den Bereich des Landes besucht, den die libysche Regierung kontrolliert. Dort habe ich viele Informationen erhalten. Ich habe mit Libyern gesprochen, die aus den Gebieten der Aufständischen geflohen waren, und mit Ausländern.
In Tripolis habe ich auch James Moriarty getroffen. Er ist der Eigentümer einer Ölgesellschaft aus den USA und ebenfalls hierher gekommen, um die Wahrheit zu erfahren. Moriarty behauptet, der Plan zur Besetzung Libyens sei bereits im Jahr 2006 entwickelt worden. Weil sich Gaddafi weigert, dass sein Land zum Sprungbrett Amerikas nach Afrika wird, möchten die USA das Land unter ihre Kontrolle bekommen. Auf diesem Weg möchten sie Afrika beherrschen und den wachsenden Einfluss der Chinesen auf dem schwarzen Kontinent neutralisieren.

Vom Westen kommen Anschuldigungen, dass die Truppen Gaddafis Zivilisten töten würden. Die offiziellen Stellen in Tripolis behaupten, dass dies die Söldner und die Nato tun. Wer hat Recht?

Es ist wirklich aufschlussreich, dass keine internationale Kommission zur Klärung der Fakten gebildet wurde, auch nicht von der UNO. Die Anschuldigungen basieren vor allem auf Medienberichten, Aussagen der Führer der Aufständischen und westlicher offizieller Stellen.
Ich habe Zeugen aus den Städten im Osten gehört, die von den Aufständischen kontrolliert werden. Aus diesen Städten sind eine Viertel Million Menschen geflohen. Sie sagen, dass Angehörige von Al Khaida, Kriminelle und Einzelpersonen aus den Reihen der Aufständischen, nicht aber die libyschen Streitkräfte, Zivilisten terrorisieren und töten. Sie sagen, dass die Aufständischen auf Zivilisten schießen, die gegen sie eingestellt sind. Afrikaner, die zur Arbeit in Libyen sind, hätten sie als Söldner Gaddafis bezeichnet und getötet.

Kennt man Zahlen der Opfer?

Der Pressesprecher der libyschen Regierung hat uns offizielle Angaben zu den zivilen Opfern der Bombardierungen durch die Nato in der Zeit vom 19. März bis zum 7. Juni gegeben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Luftwaffe der Nato rund 11.000 Einsätze geflogen. Dies entspricht etwa der Hälfte der Flüge im gleichem Zeitraum während der Bombardierung Jugoslawiens 1999. Verletzt und getötet wurden 4.711 Menschen.
Unter ihnen waren 856 getötete Zivilisten, davon 523 schwer und 3.332 leicht Verletzte. Es kamen 109 Kinder ums Leben, das Jüngste war 8 Monate alt.

Es ist schon erstaunlich, dass die Luftwaffe der Nato in mehreren Angriffen mit bis zu 18 Raketen sogar den Gebäudekomplex im Zentrum von Tripolis zerstört hat, in dem eine Reihe von Nichtregierungsorganisationen und Vereinen ihren Sitz haben.

Konnten Sie erfahren, wie groß die Unterstützung für Gaddafi ist?

Das konnte ich sehr gut mit Hilfe der libyschen Stämme sehen. Sie sind so organisiert, dass ihr Vertreter in den Versammlungen die gemeinsame Position des ganzen Stammes vertritt. Diese Versammlungen bringen den Volkswillen am klarsten und unverfälscht zum Ausdruck. Gaddafi hat die Unterstützung aller Stämme. Das ist seine größte Stärke und ein gewaltiges Problem für die USA und die Nato. Die Aufständischen haben, wie unabhängige und Quellen der Stämme in Tripolis schätzen, höchstens 2% der Bürger auf ihrer Seite. Ebenso sind 85% des Landes unter der Kontrolle der Regierung in Tripolis. Auf der Seite Gaddafis steht auch die Jugend Libyens.

Worauf stützen Sie diese Behauptung?

Auf dem Kongress der Jugend, an dem Vertreter aus aller libyschen Stämme teilgenommen haben, haben sie ihre massive, offene und entschlossene Unterstützung für die Verteidigung und Einheit Libyens deutlich gemacht. Die westlichen Medien haben diese Versammlungen vollständig verschwiegen.

Hat der Kongress der libyschen Stämme irgendwelche Beschlüsse gefasst?

Ich habe mit Ali Mohammad Al-Ahvel, einer der einflussreichsten Persönlichkeiten in Libyen gesprochen. Er ist Scheich der Warfalla, des größten libyschen Stammes mit 2 Millionen Angehörigen und steht gleichzeitig an der Spitze des Allgemeinen Kongresses der Stämme Libyens. Er behauptet, dass alle Scheichs und Sprecher großer Familien auf der Versammlung den Beschluss gefasst haben, dass es keine Teilung Libyens geben wird, dass die Einmischung fremder Mächte in die inneren Angelegenheiten des Landes nicht akzeptiert werden, dass die Libyer kein Recht haben, sich gegenseitig zu töten und dass der Reichtum des libyschen Volkes erhalten werden muss. Der Scheich sagte ganz entschlossen, dass der Westen sich des Reichtums Libyens nur bemächtigen kann, wenn er alle 2000 Stämme auslöscht.

Besteht die Möglichkeit für einen Kompromiss mit der Nato?

Von Al-Ahvel habe ich gehört, nur wenn sie das ganze Volk töten, können sie bestimmen, wer regiert. Haben wir Sarkozy, Obama oder irgendeinen Präsidenten in der Welt gewählt, hat Al-Ahvel gefragt und hinzufügt, dass die Libyer kein Volk ohne geschichtliche Wurzeln und Tradition sind.

Übersetzung: Bernd Duschner, Freundschaft mit Valjevo e.V.