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Wir trauern um unseren Ulli!

Ulli Wandersleb-Münst ist am 4. März 2026 verstorben

Über zwei Jahrzehnte hat Ulli Wandersleb-Münst die Arbeit unseres Vereins „Freundschaft mit Valjevo e. V.“ mitgestaltet und geprägt. Für Frieden und Völkerverständigung einzutreten war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Bis zuletzt scheute er keine Strapazen, an Friedenskundgebungen teilzunehmen. Die Pflege unserer freundschaftlichen Beziehungen zu den Bürgern in der serbischen Stadt war ihm ein besonderes Anliegen. Für unseren Verein ist sein Tod ein schwerer Verlust.

Ulli wurde mitten im Krieg 1943 in Dessau in Sachsen-Anhalt geboren. Seine Eltern waren beide bei dem Flugzeugbauer Junkers beschäftigt, der Vater als Metallograph und Materialprüfingenieur, die Mutter als Bürokraft. Im Oktober 1946 teilten sowjetische Soldaten der Familie mit, daß die Junkers-Werke in Rußland wieder aufgebaut werden und der Vater wie viele andere Fachkräfte für diesen Aufbau mit nach Rußland gehen müsse. So kam es, daß Ulli mehrere Jahre seiner Kindheit in Rußland verbrachte, dort die Grundschule besuchte und Russisch lernte.

Als die Familie endlich nach Deutschland zurückkehren konnte und der Vater zu dieser Zeit im Flugzeugbau keine Stellung finden konnte, wanderte sie nach Ägypten aus. In Kairo legte Ulli sein Abitur ab, bevor er sein Studium in Berlin aufnahm. Diese Jahre im Ausland haben sein Weltbild geprägt und Ulli zu einem weltoffenen Menschen gemacht, dem jeder Nationalismus fremd war, zu einem Freund des russischen Volkes und der arabischen Welt.

Sein Berufsleben als Elektroingenieur in der Industrie hatte er bereits hinter sich, als er kurz nach Gründung unseres Vereins bei uns Mitglied wurde. Die humanitäre Hilfe für die von der NATO stark bombardierte Stadt Valjevo stand damals im Mittelpunkt unserer Arbeit. Wir haben zahlreiche Hilfstransporte organisiert, die ersten Schülergruppen und Künstler aus Valjevo nach Pfaffenhofen eingeladen und uns auf den Aufbau freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Bürgern unserer beiden Städte konzentriert. Bei dieser Arbeit hat Ulli bis zuletzt eine wichtige Rolle gespielt und sich in Valjevo viele Freunde gemacht.

Das zeigen u. a. das Gedicht, das ihm der Germanist und Schriftsteller Života Filipović in seinem Buch „Moj leteći razred“ gewidmet hat, sowie die Traueranzeigen in der dortigen Zeitung „Napred“, die Deutschlehrer und Folkloregruppen zu seinem Gedenken und zu seiner Ehrung aufgegeben haben.

Ullis Tod ist für unsere Stadt ein spürbarer Verlust. Als Gründer und langjähriger Vorsitzender des örtlichen Mietervereins, als Mitglied im Bund Naturschutz und mit seiner ehrenamtlichen Mitarbeit im Werkstatt-Café hat er sich für soziale Gerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Erhalt unserer Umwelt engagiert. Ulli war ein außerordentlich fähiger Techniker und Bastler. Neue Fragestellungen, seien sie technischer, sozialer oder politischer Natur, haben ihn immer interessiert. Er ging ihnen mit großer Gründlichkeit und Ausdauer so lange nach, bis er eine Lösung gefunden hatte. Vorgaben falscher Autoritäten hat sich Ulli nie gebeugt.

Wir sind stolz auf ihn als unseren Freund und Mitkämpfer. Wir werden seinen Kampf für Frieden und soziale Gerechtigkeit weiterführen.

Das Gedicht „Ulli!“ von Života Filipović

Der Germanist und Schriftsteller Života Filipović, der am Gymnasium von Valjevo unterrichtete und viele deutsche Romane ins Serbische übersetzt hatte, war von den Bombardierungen seines Landes und seiner Stadt durch die NATO tief betroffen. Um so glücklicher war er, als er mit unserem Ulli einen anderen Deutschen kennenlernen konnte. Nachfolgend der Text in deutscher Übersetzung.

Ulli!

Ulli! Ich war des Dichtens schon müde, als Ulli mir dazu wieder Lust und Kraft gab. Hier bin ich einer seiner Freunde, und er ist fest überzeugt: Heimat ist dort, wo die Freunde sind.

Bereits als Grundschüler sahen ihn die Russen bei Samara an der Wolga, später auch die Ägypter und dann die Amerikaner. Hier ist endlich ein Deutscher, der weiß, mit Charme die Welt zu erobern.

Er hilft Schülern und Studenten aus Valjevo auf ihrer Reise nach Bayern. Er hat ein pittoreskes Aussehen, auch wenn er weder Gams­hut noch kurze Lederhosen trägt.

Er ist ein Liebhaber von südlichem und nördlichem Obst und hat eine patentierte besondere Art, Äpfel ökonomisch zu essen. Er ist der erste und einzige Deutsche, der mir in Wort und Praxis gezeigt hat, daß er weiß, faul von verdorben zu unterscheiden.

Er liebt seine Maria und Elektra, nicht Orests Schwester, sondern als Sinnbild für die Elektronik.

Er und seine Eltern: eine höchst aufregende Geschichte über die Flucht aus der DDR. Ulli Wandersleb-Münst selbst: ein ungeschriebener Roman, der sich spannend liest. Man sollte ihn in hunderttausend Exemplaren verbreiten, als Taschenbuch und als Luxusausgabe!