Bergpredigt muss Leitschnur der Politik werden
Für Dr. Eugen Drewermann zeigt Jesus mit seiner Bergpredigt, wie Gewalt, Blutvergießen und Kriege für immer zu beseitigen sind. Am Dienstag, den 7. Juli, sprach der weithin bekannte 86 jährige Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller vor rund 150 Zuhörern im Pfarrheim Niederscheyern auf einer Veranstaltung unseres Vereins „Freundschaft mit Valjevo“. Sein Thema „Die Bergpredigt als Zeitenwende“.
Eugen Drewermann hat die verheerenden Bombenangriffe der Alliierten auf seine
Heimatstadt Bergkamen 1944 und 1945 noch gut in Erinnerung. Die gegenwärtige gewaltige Aufrüstung und Einstimmung auf einen kommenden Krieg ist für ihn ein gefährlicher Irrweg: Immer mehr Panzer, Raketen, Kampfdrohnen und Bomben könnten keine Sicherheit und Frieden schaffen. Sie verschärften im Gegenteil die Konfrontation und Kriegsgefahr. Nur durch das Gespräch, die Bereitschaft, auch die Ängste der Gegenseite ernst zu nehmen und durch eigene Schritte zur Abrüstung könne die Konfrontation überwunden werden. Drewermann erinnerte daran, wie viele Kinder mit dem Geld für jedem Panzer vor dem Hungertod bewahrt werden könnten. Die selbstgerechte Einteilung, wir seien immer die Guten und die andere Seite die Schlechten, sei völlig falsch. Drewermann verwies auf den deutschen Überfall 1941 auf die Sowjetunion mit ihren 27 Millionen Tote und die zahlreichen Kriege, die der Westen in den letzten Jahren geführt habe. Scharf wandte er sich der Theologe gegen jede Militärausbildung und Militärdienst. Die Bürger würde dabei zu Marionetten in Uniform gemacht, die ohne nachzudenken, jeden unmenschlichen Befehl ausführten. Drewermann erinnerte an den US-Pilot Sweeney, der 1945 die Atombombe über Nagasaki abgeworfen und damit Hunderttausend Menschen getötet habe. Stets habe er sich damit gerechtfertigt, nur einen Befehl ausgeführt zu haben, wie es jeder andere Soldat auch getan hätte. Für Christen habe jedoch zu gelten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg 5,29).
Für seine zweistündige freie Rede erhielt Drewermann stehende Ovationen. Alle Exemplare seines aktuellen Buches „Nur durch den Frieden bewahren wir uns selber“
waren schnell verkauft. Drewermann, der speziell für diese Veranstaltung aus Paderborn angereist war, hatte auf ein Honorar ausdrücklich verzichtet, um die humanitäre Arbeit unseres Vereins zu unterstützen.
